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Reden und Aufsätze aus dem Kriege / Helfferich
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Zunächst möchte ich feststellen, in welchem Masse man sichin England von Anfang an in den Kriegskosten verrechnet hat.Ich erinnere an das leicht hingeworfene Wort von Sir EdwardGrey vom 4. August vorigen Jahres, der Krieg werde England kaum grössere Opfer auferlegen, wenn es sich an ihm beteilige,als wenn es beiseite stehe. Die englischen Staatsmänner habensich inzwischen eines besseren belehren lassen müssen. Abernoch im Mai hat der damalige englische Schatzkanzler die Kostendes Krieges bis zum Ende des laufenden Etatsjahres, d. h. biszum 31. März 1916, auf etwa 1133 Millionen Pfund geschätzt. VierMonate später dagegen hat sein Nachfolger die Schätzung auf1590 Millionen Pfund erhöhen müssen, und der vor kurzem vonder englischen Regierung verlangte neue Kredit, der bis MitteFebruar reichen soll, also immer noch nicht bis zum 31. März,bringt die Gesamtsumme der bisher eingeforderten Mittel auf mehrals 1660 Millionen Pfund.

Die Aufbringung dieser Mittel ist für England fortgesetzt schwe-rer geworden. Zu Anfang des Krieges spielte Lloyd George nochmit dem Gedanken, es könnte entsprechend der guten alten briti-schen Tradition ein sehr erheblicher Teil der Kriegskosten durchSteuern aufgebracht werden. Er selbst hat an die NapoleonischenKriege erinnert, in denen 40 Prozent der Kriegsausgaben durchSteuern gedeckt worden seien. Aber die damals im Novembervorigen Jahres beschlossenen Steuern machten von vornhereinnur wenige Prozent des Kriegsbedarfs aus. Eine zweite Steuer-vorlage im Frühjahr 1915 kam überhaupt nicht über die Schwelledes Parlaments. Eine dritte Steuervorlage, die angeblich 100 Mil-lionen Pfund bringen sollte, deren Ertrag für das laufende Jahraber nur auf 30 Millionen veranschlagt wurde, wird seit vielenWochen im englischen Unterhaus beraten. Die Verhandlungen sindnicht sehr rasch vom Fleck gekommen, und wenn diese Finanzbilljetzt in der Hauptsache Gesetz wird, so wird sie, wie heute schonfestzustehen scheint, kaum irgend etwas zu den eigentlichen Kriegs-kosten beitragen, sondern gerade genügen, vielleicht nicht einmalganz genügen, um das durch den Krieg verursachte Mehr anSchuldzinsen zu decken. Die Absicht, durch Steuern einen ansehn-lichen Teil der Kriegskosten zu decken, ist in England gescheitert.