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Reden und Aufsätze aus dem Kriege / Helfferich
Entstehung
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satzstempel darstellt. Denn diese Besteuerung trifft in der Tatjeden nach Massgabe seines Verbrauchs, und wenn der Verbrauchauch kein unbedingter Gradmesser für die Leistungsfähigkeit ist das gebe ich zu, so ist er doch ein besserer Gradmesser,als alle die verschiedenen Anhaltspunkte, die bei den bisher be-stehenden indirekten Steuern vorliegen. Ausserdem aber, wennSie sagen, der Verbrauch stehe nicht im Verhältnis zum Ein-kommen, ja, meine Herren, was von dem Einkommen übrig bleibt,nicht verbraucht wird, wohin geht das? Das ist Vermögenszu-wachs, und dieser fällt unter die Reichsvermögenszuwachssteuer.Insofern ordnet sich also der Umsatzstempel sehr wohl in dieGesamtheit des Systems ein. Das Einkommen wird von den Ein-zelstaaten und Kommunen bei seinem Entstehen in seiner Wurzelals Einkommen gefasst. Die Besteuerung der Verwendung desEinkommens liegt nun in der Weise beim Reiche, dass derjenigeTeil, der verbraucht wird, unter den Umsatzstempel fällt, und zwarproportional zu dem Verbrauch, und derjenige, der nicht ver-braucht wird, also einen Vermögenszuwachs bildet, unter die Ver-mögenszuwachssteuer fällt. Ich kann nur wiederholen, ich binerstaunt, dass gerade die Herren von der äussersten Linken fürdiese Gruppierung so wenig Verständnis haben, und dass geradebei ihnen die Opposition gegen den Umsatzstempel eine so starke ist.

Dass wir beim Umsatzstempel die Belästigung, die mit jederSteuer, und zumal mit jeder neuen Steuer, verbunden ist, sovielals möglich ausschliessen wollen, dafür bürgen, glaube ich, schongewisse Aenderungen, die wir selbst zu dem ursprünglichen Ent-wurf vorgeschlagen haben. Wir wollen in der Tat darauf hinwirken,dass die Erhebung dieser Steuer für die davon Betroffenen .sobequem wie irgend möglich gestaltet wird. Wir tun das in unseremeigenen Interesse; denn dieser Umsatzstempel ist, wie schon derHerr Abgeordnete Graf v. Westarp erwähnt hat, ein erster grosserVersuch. Wir werden sehen, wie die Dinge sich entwickeln werden.Ich halte den Umsatzstempel nach mancher Richtung hin fürausbaufähig; aber ausbauen kann man ihn erst, wenn man Er-fahrungen gesammelt hat, und diese Erfahrungen wollen wir ab-warten. Diese Erfahrungen werden aber um so besser sein, umso mehr für die Zukunft versprechen je einfacher, je bequemerwir die Erhebung des Umsatzstempels gestalten.