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Reden und Aufsätze aus dem Kriege / Helfferich
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nach Ost stattgefunden haben. Stellen Sie sich die enormen Be-wegungen an Menschen und Material vor, die der rumänischeFeldzug erforderte, als es sich darum handelte, die Armeen, dieden neuen Feind niederwerfen sollten, vom Westen herüber zutransportieren. Und stellen Sie sich wieder den Eisenbahntrans-port vor, der in der Zwischenzeit stattgefunden hat, nachdemder Schwerpunkt des Kriegsschauplatzes sich wieder nach demWesten verschoben hatte.

Im übrigen, meine Herren, kann ich auf Grund einer Be-sprechung, die ich gestern noch mit dem Herrn Eisenbahnministerv. Breitenbach hatte, mitteilen, dass die schwierigen Transport-verhältnisse sich doch allmählich zu bessern beginnen. Die Ver-hältnisse sind ja nicht nur durch die Abnutzung des Materialsund die starke Beanspruchung des Materials für unmittelbareMilitärzwecke so schwierig gestaltet worden, sondern auch diestarke Frostperiode hat mitgewirkt, die uns auch sonst in mancherBeziehung so sehr ungelegen gekommen ist. Die starke Frost-periode erschwert, wie bekannt, das Rangieren ganz ausserordent-lich. Das Schmieröl wird fest. Die Wagen laufen nicht mehrvon selbst ab, so dass unter Umständen die dreifache Kraft auf-gewendet werden muss wie bei normaler Temperatur. Dann kommthinzu, dass unsere Wasserstrassen uns durch den anhaltendenFrost entzogen worden sind. Gerade die gewichtigsten Massen-transporte, die Kohlentransporte, gehen bei normaler Temperaturdoch über die Wasserstrassen. Wenn in Friedenszeiten da einmaleine Stockung eintritt, dann sind überall grosse Reserven vor-handen. Wenn einmal ein paar Tage die Wasserstrassen nichtfunktionieren und die Züge die Transporte nicht in dem Masseheranbringen, wie es dem gleichzeitigen Verbrauch entspricht,kann man auf die Reserven zurückgreifen. Im Kriege, wo wiralle Reserven aufs äusserste angespannt haben, sind auch indieser Beziehung die Verhältnisse schwieriger geworden. Damussten, um dort zu helfen, wo akute Not an Kohlen war, dieganzen Transporte, die sonst zu Wasser gehen, auf die Eisenbahngeworfen werden. Das bedeutete natürlich eine ganz ausserordent-liche Mehrbelastung der Eisenbahnen in dieser ohnehin schweren

Zeit. Jetzt, wo das Wetter besser geworden ist, wo die Wasser-

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