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Lloyd George hat in einer grossen Rede am 22. Februar d. J.den Engländern gezeigt, wie sie sich durch Vermehrung der Pro-duktion im eigenen Land gegen die Wirkungen des U-Bootkriegesschützen könnten. Die Durchführbarkeit und Wirkung seiner Rat-schläge ist mehr als zweifelhaft. Er hat aber ganz darauf ver-zichtet, seinen Verbündeten zu sagen, welches Mittel er ihnengegen die Drosselung der Kohlenzufuhr empfiehlt.
Ich komme zum wichtigsten Punkte, zu der Lebensmittel-situation Englands .
Zunächst möchte ich einige lapidare Ziffern über die Ab-hängigkeil. Englands von der überseeischen Lebensmittelzufuhr jnihr Gedächtnis zurückrufen.
Der Anteil der Einfuhr am britischen Gesamtverbrauch betrugim Durchschnitt der letzten Friedensjahre:
beim Brotgetreide nahezu 80°/o,
bei dem Futtergetreide (Gerste, Hafer, Mais), die als Ersatzund zur Streckung von Brotgetreide verwendbar sind, 50°/o, beimFleisch mehr als 40<>/o, bei der Butter 60 bis 65°/o. Der Zucker-bedarf musste mangels einer einheimischen Erzeugung ganz durchdie Einfuhr gedeckt werden.
Ich erinnere weitler daran, dass unsere U-Boote, soweit Eng-lands Nahrungssituation in Frage kommt, unter ganz besondersgünstigen Bedingungen kämpfen: Der Weltrekordernte des Jahres1915 ist die Weltmissernte des Jahres 1916 gefolgt — ein Min-derertrag von 45 bis 50 Millionen Tonnen an Brot- und Futter-getreide. Am stärksten betroffen sind die für England am günstig-sten gelegenen Bezugsgebiele Nordamerikas . Die Wirkungen tretenjezt, nachdem die reichlichen Bestände aus der alten Ernte auf-gezehrt sind, von Tag zu Tag und überall schärfer in Erscheinung.Argentinien hat ein Getreideausfuhrverbot erlassen. Wie in denVereinigten Staaten die Dinge stehen, ergibt sich aus folgendenZahlen:
Das Ackerbaudepartement schätzt die Vorräte an Weizen, diesich am 1. März 1917 noch in den Händen der Farmer be-fänden, auf 101 Millionen Bushel, das sind wenig mehr als 2y 8Millionen Tonnen. Um dieselbe Zeit des Vorjahres waren dieseBestände noch 241 Millionen Bushel. Niemals, soweit ich die
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