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Festschrift zum fünfhundertjährigen Geburtstage von Johann Gutenberg / im Auftr. d. Stadt Mainz hrsg. von Otto Hartwig
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OTTO HARTWIG

dienße feine Krone ftreitig zu machen. Schließlich bricht fich aber doch die Wahrheit wiederBahn, wenn eine unparteiifche, kritifche Gefchichtfchreibung fich der ßrittigen Frage be-mächtigt und einem Jeden der an folcher Entdeckung Betheiligten die ihm thatfächlichzukommende Stellung in der Entwicklungsreihe anweiß.

So hat ßch auch Johann Gutenberg trotj aller Anfechtungen und Angriffe, die gegen ihnals den Urheber der wichtigßen, weil für alle Lebensgebiete folgenreichßen, technifchenErfindung, welche die Welt einem Sohne Deutfchlands verdankt, im Laufe der Jahr-hunderte erhoben worden find, dennoch fo ßegreich behauptet, daß wir das Feß feinesfünfhundertjährigen Geburtstags in dem alten goldenen Mainz an der Schwelle eines neuenSaeculums mit dem frohen Bewußtfein feiern dürfen, daß ihm fernerhinkeinUnbefangenerdie Ehre feiner großen Erfindung wird rauben und feiner Geburtsftadt Mainz den Ruhmwird beftreiten können, die Wiegenftätte der Buchdruckerkunß gewefen zu fein.

Diefes hier durch eine kurze Zufammenßellung der wichtigßen und ßcher überliefertenThatfachen aus dem Leben Johann Gutenbergs und dem Entwicklungsgang feiner Er-findung vor den hier mitgetheilten Urkunden und eingehenderen Ausführungen einleitendzu erhärten, der Zweck der folgenden anfpruchslofen Zeilen. Auf jede Polemik inihnen verzichtet und die umfangreiche Literatur nur in ihren neueßen werthvolleren Er-fcheinungen in den Anmerkungen kurz berückßchtigt. 1

I ß jede große Erfindung das Werk eines genialen Geißes, wenn gleich in ihrer Ent-ßehung abhängig von den Zußänden und Bedürfniffen der Zeit und des Ortes, an demße auftritt, fo in demfelben Maße ihr Fortgang und ihr endgültiges Gelingen bedingtdurch die Fähigkeit der Umgebung, in der ße entfteht, ihre Bedeutung und ihren wahrenWerth richtig zu erkennen und zu fchä^en. Wurzelt doch hierin auch ein Theil der Be-rechtigung des Stolzes auf ein großes Werk eines Volks- oder Stadtgenoffen, den foViele empfinden, und der verbunden mit der Dankbarkeit gegen einen der größten Wohl-thäter des menfchlichen Gefchlechtes auch unfere Feßfeier gefchaffen hat.

Sicher wäre Deutfchland nicht das Geburtsland und die Wiegenftätte der Buchdrucker-kunß geworden, wenn nicht in Mainz und den zahlreichen alten Städten der gefegnetenoberrheinifchen Tiefebene, von dem Rheingau hinaufbis Straßburg und Bafel, im 15.Jahr-hundert eine Cultur geherrfcht hätte und geißige Bedürfniffe zu Tage getreten wären,welche in ihrer Weife über die der übrigen Gegenden Deutfchlands und vieler anderenLänder Europas hinausgegangen wären. In diefem breiten, fruchtbaren und lackendenThale, das der Rhein 45 Meilen lang durchftrömt, hat fich wie kaum in einer anderenLandfchaft Deutfchlands im Mittelalter eine einheitliche und hohe Cultur früh ausgebildetund ßch durch viele Jahrhunderte hindurch bei großem Wechfel der äußeren Gefchickebehauptet. Hier hatten in den Anfängen unferer Gefchichte die früheften dauernden,theils freundlichen theils feindlichen, Beziehungen zwifchen den germanifchen Volks-ßämmen und dem römifchen Weltreiche ßattgefunden. Hier war Mainz als die Haupt-ßadt der Germania prima an der Stelle erblüht, wo eine alte Völkerfurt den ßolzen Stromdurchfe^te und nicht allzuweit davon entfernt lag imWonnegau Worms , die Bur-gunderhauptßadt, welche unfere Heldenfage tragifch umfpielt. Und wie eng verknüpftdie Gefchichte von Mainz , deffen Bisthum im 8. Jahrhundert durch den h. Bonifatius an dieSpitje der rheinifchen Bisthümer geftellt war, und das fpäterhin dem deutfchen Reiche feine