ZUR EINFÜHRUNG.
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des 13. Jahrhunderts, in denen (ich das ganze Können einer mächtig aufßrebenden Stadt-gemeinde zufammenfaßte, fondern dem nüchternen demokratifchen Zug der Zeit entfpre-chend mehr in den Dienst des individuellen Wohlbefindens der Bürgerfchaft getreten, fotrugen fie doch dazu bei, das Leben der unteren Volksmaffen zu heben und zu veredeln.Die hohe ritterliche Kunßpoeße war freilich in’s Volkslied ausgeklungen und zum Meister-gesang erßarrt, die durchgeißigte Frömmigkeit tieffinniger Myßiker hatte fich in eine prak-tifdi nüchterne, bürgerliche Religiofitätverwandelt, die zunächst gut kirchlich bleiben wollte,aber bei der in der Kirche herrfchenden Verwirrung und Spaltung und bei der SittlichenEmpörung über die Zuchtlofigkeit und die Herrfchfucht fo vieler Geglichen und Mönchezur Befehdung der kirchlichen Inßitutionen führte und vielfach in kirchenfeindliche Ge-finnungund Unglauben umfchlug. Eine ironifche, farkaßifche Stimmung ergriff weite Kreifeder Bevölkerung und fand ihren Niederfchlag in der Litteratur diefer „arißophanifchenJahrhunderte.“ Satiriker und derblußige Bußprediger hatten das Ohr des Volkes vorAllem. Aber überall pflegte man doch auch die Schulbildung und berief tüchtige Lehrer,wenn es zu Hause an folchen fehlte. Und in den Dienß diefer Volksbildung traten auchdie zeichnenden Künße. Es gab hier im Elfaß hervorragende Künftler. Ein jüngererZeitgenoffe Gutenbergs, Martin Schongauer in Colmar , war der beße Maler und Kupfer-ftecher Deutfchlands. Aber die vervielfältigenden Künfte, Kupferftich und Holzfchnitt,die dem popularißrenden Zuge der Zeit entfprachen, und die Kunftindußrie überwucher-ten die Hervorbringungen der höheren Künße. In den Werkftätten der profefßonellenBücherilluftratoren, wie in der des Diebold Lauber zu Hagenau, wurden faß nur Zeich-nungen zu volkstümlichen Werken hergeftellt. Höher ßand das wirkliche Kunßhand-werk, das der Waffen- und Goldfehmiede, die in Oberdeutfchland, namentlich in Nürn-berg , den Ruhm Deutfchlands in Hervorbringung wahrer Kunßwerke begründeten. Aberauch in Mainz gab es nach 1475 noch neunundzwanzig Goldfehmiede gegen nur Sechzehnin Nürnberg . Von diefen war die Kunß des Niellirens und des Metallfchnittes und damitdes Kupferftiches ausgegangen. Neben ihnen erfreuten fich aber auch Erzgießer, Holz-fchnitjer und Steinmetjen eines weit verbreiteten Rufes. Auch Techniker in größerem Styletraten auf, lehrten Gefchü^e gießen, Feftungen anlegen, hydraulifche Werke ausführenund Schiffe bauen, worüber ße in trefflich ausgeftatteten Werken Auskunft gaben. 5 Dieganze Richtung der Zeit drängte auf die Bahnen mechanifcher Erfindungen in Deutfchlandebenfo wie in Italien, ebenfo wie fich hier wie dort in dem gährenden Leben ein Strebennach neuer Formengebung in der Kunß im Anfchluffe an die Antike allmählich durchfet 3 te.Die großen Techniker und Mechaniker, von denen einzelne auch größte Künßler waren,find gewiß nicht immer wirklich praktifche und gefchäftlich einwandsfreie Männer ge-wefen. Bei dem Abßande ihres hohen Gedankenfluges von dem wirklichen Könnenihrer Zeit find manche zu Phantaften geworden, und gewiß haben viele von ihnen Schiff-bruch im Leben gelitten. Das ift ja das Loos fo vieler Vorkämpfer für neue Ideen undneue Zeiten. Nur verhältnißmäßig Wenigen ift es befchieden gewefen, ihre Gedankenund Empfindungen foweit in die Wirklichkeit umgefetjt zu fehen, daß ße fich fagenkonnten, es fei ihnen wirklich gelungen, was ße gewollt hätten. Zu diefen Glücklichengehört der Mann, dem, wenn auch offenbar erft nach fehr harten, Schweren Kämpfendie Erfindung gelang, welche die größte Wirkung auf die Cultur der Menfchheit geübt hat:Johann Gutenberg von Mainz.