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aktion ßattgefunden hat, ob Pfifter durdh die Zahlung eines Kapitals an Gutenberg , bezie-hungsweife an Fuß das Pfandverhältniß diefes Apparates getilgt hat, oder ob er auf eine an-dere Weife in den Beßtj der Typen und der erßen fünf Blätter der mit ihnen gedruckten36zeiligen Bibel gekommen iß, wiffen wir nicht und werden es wohl auch nie erfahren, wennnicht etwa noch neue Akten von Prozeffen zwifchen den Prototypographen aufgefunden wer-den. Der Umßand, daß diefer einmal vorhandene umfängliche Apparat in den Befitj Pfißerskam, während der der 42zeiligen Bibel in dem Fußs und feines Gehülfen und Gejchäftsge-noffen Peter Schöffer verblieb, ift für ihn die Veranlaffung geworden, den Druck der 36zeili-gen Bibel wieder aufzunehmen und zu Ende zu führen. Wie weit Gutenberg noch bei derWiederaufnahme des Druckes mitbetheiligt war, wiffen wir nicht. Bei derengenVerwandt-.fchaft des Druckes der 36zeiligen Bibel mit dem der 42zeiligen ift nur ein zweifachesmöglich: entweder war Gutenberg an ihm betheiligt, indem er nachträglich einen verzwei-felten Concurrenzkampf gegen die 42zeilige Bibel eröffnete, oder Albrecht Pfifter war fdionin der Druckerei Gutenberg -Fußs thätig gewefen und fo in alle Gefchäftsgeheimniffe der-felben eingeweiht, daß er felbftftändig den Neudruck der 36zeiligen Bibel wagen konnte.Und das war ja diefer nicht nur nach der gefchäftlichen, fondern auch nach der technifchenSeite hin. Wahrjcheinlich iß der Druck in Bamberg von Albrecht Pfißer fertiggeßellt oderdoch von dort aus verbreitet worden. Nachdem aber fo das von Gutenberg gefchaffeneTypenmaterial in die Hände von Fuft einerfeits und Pfifter andererfeits übergegangen war,war der Erfinder der Kunft ein finanziell ruinirter Mann. Das geht daraus auch mit Sicher-heit hervor, daß er von 1458 an die geringfügigen Zinfen des vom Thomasftift in Straß-burg erlangten Kapitales, gewiß nur deßhalb nicht mehr (f. oben S. 8) zahlte, weil er esnicht mehr konnte. Denn eine ganze Reihe von Jahren hatte er ße gezahlt.
Gutenbergs Muth und Geßhäftsluftwar aber damit keineswegs gebrochen. Von Neuemßellte er einen Satj von Typen her, die, weil kleiner als die zuerft verwendete Miffaltype,eine viel größere Ausnutjung der Druckfläche geftatteten und die Bücherpreife verbilligten.In dem Drucke des Katholikon des Johannes von Janua, aus dem Jahre 1460, das eineGrammatik und einealphabetißh geordnete Encyclopädie enthält, ift die Type noch kleinerals die kleinfte in den Ablaßbriefen von 1454 verwendete. Es ftehen hier fechsundfechzigZeilen auf der gefpaltenen Columne. Das zur Herftellung diefes dreihundertdreiund-ßebenzig Blätter ßarken Buches erforderliche Kapital erhielt Gutenberg von den BrüdernHeinrich und Nicolaus Bechtermünze, Mainzer Bürgern, die in Eltville wohnten. Man hatbisher geglaubt, er fei von einem Führer der Mainzer Volkspartei, dem Kanzler des Stadt-rathes, dem Dr. jur.Conrad Humery, mit Geld unterßütjt worden. Denn diefem wurde nachdem Tode Gutenbergs am 26. Februar 1468 deffen Druckapparat („etliche formen, buch-ßaben, inßrument, geczuge,“ d. h. die Lettern und Preffen), der „ime geweft ift und noch iß“gegen einen dem Kurfürften von Mainz , Grafen Adolf von Naffau, auszuftellenden Reversausgehändigt. Humery durfte das Geräthe nur in Mainz verwenden und mußte bei einemVerkaufe desfelben einem Mainzer Bürger das Vorkaufsrecht einräumen. Die „etliche for-men, buchßaben, inßrument, geczuge,“ die Dr. Humery zurückerhielt, fcheinen aber nurder Druckapparat gewefen zu fein, mit dem Gutenberg in dejfen Aufträge das bekannteManifeß des Erzbifchofs Diether von Mainz vom 30. März 1462 hergeftellt hatte . 20
Ob Gutenberg von dem Katholikondrucke noch reichliche Einnahmen zugefallen find,wiffen wir nicht. Jedenfalls geftalteten ßch die letzten Jahre feines an Enttäußhungen