ZUR EINFÜHRUNG.
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der 36zeiligen Bibel beobachtete Thatfache, mit Aussagen des Helmaspergerjchen Nota-riatsinßrumentes combinirt, fcheint mir den Schlüffel zu bieten.
Nicht die ganze 36zeilige Bibel bietet denfelben Text wie die 42zeilige. Den erßen fünfBlättern einiger uns erhaltener Exemplare der 36zeiligen, genauer gefagt den erßen neunSeiten liegt ein etwas anderer Text zu Grunde, als der iß, welchem die 42zeilige folgt.Die Vermuthung liegt nahe, daß diefe fünf Blätter (neun Seiten) den Ueberreß einesDruckes bilden, mit dem Gutenberg begann, den er dann aber aus Sparfamkeitsgründenliegen ließ, um zu dem 40zeiligen und dann weiter definitiv zu dem 42zeiligen Text über-zugehen. 19 Und mit diefer Vermuthung ßimmen Ausfagen aus den im HelmaspergerfchenInßrumente enthaltenen Beßimmungen des erßen Vertrags zwifchen Gutenberg und Fußüberein. Nach ihnen follte Gutenberg mit den zuerß geliehenen achthundert Gulden dasangefangene Werk fertigßellen (volnbrengen), ob es mehr oder weniger koße, gehe ihn(Fuß) nichts an. Das zu vollendende Werk war die 36zeilige Bibel, zu deren HerßellungGutenberg feinen Apparat, das „geczuge zurichten und machen folte,“ wie er nach demInßrumente ßch ausgedrückt hat. Gutenberg fah nun ein, daß fein angefangener Druck,der wohl Fuß in die Augen geßochen und ihm die Gewähr des Gelingens gegeben hatte,fo daß er ihm achthundert Gulden darauf borgte, zu groß angelegt fei, und mit der dis-ponibel Summe nicht ausgeführt werden könne; er beßhloß daher mit abermaliger Hilfevon Fuß, der „ym ye hab wellen ein gnungen thun“ einen neuen Drude zu beginnen, und[chnitt dazu neue Lettern. Der mit ihnen hergeßellte Druck, „zu beider nocz,“ iß die42zeilige Bibel. Diefe wurde in einem Zuge und mit genügenden Mitteln fertiggeßellt.Aber während diefer Arbeit, an der Gutenberg als leitender Geiß betheiligt war, fcheint derConflikt zwißhen den beiden Partnern begonnen zu haben. Doch können wir hierüber eszu keiner poßtiven Sicherheit bringen. Ebenfowenig wie über die vielumftrittene Frage, werdie beiden Erzeugniffe des Mainzer Buchdrucks von 1454, die beiden verßhiedenen für denGeneralprocurator des Königs von Cypern Paulinus Chappe hergeßellten Ablaßbriefe ge-druckt hat, ob Gutenberg, Gutenberg und Fuft, oder Fuß allein oder Albrecht Pfißer. DerName des Letztgenannten, der hier zuerß auftritt und der mit der früheßen GefchichtedesBuchdrucks fo eng verknüpft iß, wie der Peter Schöffers von Gernsheim, des nachherigenSchwiegerfohnes von Johann Fuft, fcheidet hierbei wohl zuerß aus. Denn es ift viel wahr-ßheinlicher, daß der ältefte der beiden Ablaßbriefe, deffen erßesWort: Univerßs mit einem Vund nicht wie der zweite mit einem U gedruckt iß, und zu deffen Herßellung Typen der36zeiligen Bibel mit verwendet worden find, von Gutenberg herrührt als von Pfißer. Dieferhättejafonft[chonl454dasVerfügungsrechtüber dieTypenderDruckereiGutenbergs habenmüffen, in dem wir ihn allerdings fpäter finden. Mir will es fcheinen, daß das Helmasperger-fche Inßrument den älteften Typenfchatz Gutenbergs und feinen Druckapparat, der Fuß ver-pfändetwar, noch Ende 1455 in den Händen Gutenbergs vorausfetzt. Und damit ftimmt über-ein, was wir fonß von der Druckerthätigkeit Gutenbergs aus diefer Zeit nach anderen unserhaltenen Ueberreßen wiffen. Denn Gutenberg hat noch mit den Typen der 36zeiligenBibel in Mainz die Conjunctiones et oppoßtiones folis et lunae für das Jahr 1457 gedruckt.Ob in diefe felbige Zeit der Druck des mit den Typen der 42zeiligen Bibel gedruckten Pfalte-riums fällt,von dem in Paris achtunddreißig Blätter aufgetaucht find, ßeht dahin. Dagegen ißals ßcher anzufehen,daß nachl457derTypenfchatz der36zeiligen Bibel in die Hände AlbrechtPfißers kam, der fpäter noch verfchiedene Drucke mit ihm ausgeführt hat. Wie diefe Trans-