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werke zu nennen, die als Ganzes kaum übertroffen werden können. Sie fetjen zahlreicheVerfuche und Vorbereitungen voraus, von deren Ergebniffen uns aber nicht ficher nach-weisbare Reße übrig geblieben find. Vielleicht haben wir in dem jetjt in Paris aufbe-wahrten vierfeitigen Fragmente des Schulbuches: Donatus de octo partibus orationis, dasaus Mainz ftammt, einen Ueberreß jener Druckerthätigkeit Gutenbergs vor uns, die vorder Inangriffnahme der Bibel liegt. Die Lettern derfelben find denen der 36 zeiligenBibel fehr ähnlich, ficher aber nicht diefelben. 17 Sie (cheinen auch fehr abgenutzt, viel-leicht weil fie aus zu weicher Gußmaffe hergeßellt waren.
Wie dem nun auch fein möge, wichtiger als die Entßheidung diefer Frage ifl die an-dere nach dem Verhältniffe der beiden großartigen Bibeldrucke, die, von ungefähr 1450an in Angriff genommen, uns in die Geheimniffe der früheren typographißhen Groß-arbeit Gutenbergs einführen könnten. Iß es nun an fich (Ikon auffallend, daß derMann, der felbß über keine Mittel verfügte, ficher wenige Jahre nach einander zweiDrucke, von denen der eine rund achthundertundachtzig, der andere fechshundertund-vierzig Folioblätter einnimmt, in Angriff genommen hat, fo iß das Verhältniß, in dembeide Drucke zu einander ftehen, noch merkwürdiger. Vorausfetjen follte man, daßdie 36 zeilige Bibel die ältere von beiden fei. Denn wie follte im entgegengefetjten FalleGutenberg, der foeben einen vortrefflichen Druck desfelben Werkes hergeßellt hatte, aufden Gedanken haben gerathen können, er werde mit einem neuen Druck, der über einViertel mehr Raum beanfpruchte, ohne mehr Inhalt zu geben, alfo feines Umfangs wegenweit theurer werden mußte, ein Gefchäft machen können? In der That finden wir auch,daß die erften Drucker durch die Wahl immer kleinerer Lettern — im Jahre 1462 warman (chon auf achtundvierzig Zeilen für einen Bibeldruck angekommen und Gutenberg felbß hat, abgefehen von den kleinen Typen der Ablaßbriefe von 1454, im Jahre 1460(Ikon im Katholikon fechsundfechzig Zeilen auf eine Seite gebracht — ihre Drucke zuverbilligen bemüht waren. Man wird das um fo begreiflicher finden, wenn man erwägt,daß für die Herßellung eines einzigen Pergamentexemplares der 36 zeiligen Bibel dieFelle einer kleinen Schafheerde mehr nöthig waren als für ein entfprechendes Exemplarder 42 zeiligen. Und daß Gutenberg folchen Erwägungen nickt unzugänglich war, beweißdie Thatfache, daß die 42 zeilige Bibel anfänglich als eine 40 zeilige geplant war. Sinduns doch noch einige 40 zeilige Blätter aus ihrem Anfang in einigen Exemplaren erhalten.
Und dock iß das Verhältniß der beiden Ausgaben ein umgekehrtes! Wir haben die42 zeilige Bibel als die frühere, die 36 zeilige im Großen und Ganzen als die fpätere anzu-erkennen. Diefe Erkenntniß ift dasRefultat fehr umßchtiger, [charffinniger und umfaffenderUnterfuchungen, 18 welche an verßkiedenenExemplaren der beiden Ausgaben vorgenom-men find und das Refultat geliefert haben, daß beide Drucke im Großen und Ganzen den-felbenText bieten, der Drucker der einen den gefammten Druckapparat der anderen genaugekannt haben muß, und daß die 36zeilige Bibel als ein nicht ganz correkter Neu- oderNackdruck der 42 zeiligen anzufehen iß, der erß einige Jahre nach diefem vollendetfein kann. Da nun ein Exemplar der 42zeiligen Bibel 1456 ficher vollendet war, forückt der Abfchluß des Druckes der 36 zeiligen in die letzten Jahre des fechften Jahr-zehnts hinab.
Wie follen wir uns nun diefe Thatfache, die nur das Produkt ganz eigenthümlicher per-fönlicher und gefckäftlicker Verhältniffe fein kann, erklären? Eine an einzelnen Exemplaren