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Festschrift zum fünfhundertjährigen Geburtstage von Johann Gutenberg / im Auftr. d. Stadt Mainz hrsg. von Otto Hartwig
Entstehung
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beiden Gewerke find aber diejenigen, die mit der Buchbinderei in innigßem Zusammen-hänge flehen, denn aus dem Goldfchmiedhandwerkging fie hervor und die Gürtler warenes, die den Buchbefchlag, als die Nachfrage größer wurde, fabrikmäßig herflellten, fo daßeinige derfelben directKlaufurmacher, in Frankreich fermailleurs, genannt wurden.

Bevor aber eine folche Theilung der Arbeit flattfand, waren die Buchfchreiber meiftauch ihre eigenen Buchbinder und zu gleicher Zeit Buch- und Schreibmaterialienhändler.Zahlreiche Anmerkungen in alten Handfchriften befagen, daß diefelbe Perfon das Buchgefchrieben und gebunden hat. Gegen den Ausgang des 13. Jahrhunderts laffen fichdie erften Buchbinder, welche ihr Gewerbe als Spezialberuf betrieben, nachweifen undzwar zuerft in Florenz, dann in Paris, etwas fpäter in Cöln. Das waren die Centren derWiffenfchaft, in welchen der ftarke Verbrauch an Büchern eine Trennung der Arbeits-leiflung frühzeitig begünfligte. An weniger litterarifch hervorragenden Orten konntenaber berufsmäßige Buchbinder nicht exifliren, fo daß in Hamburg überhaupt kein folchervor 1588 nachweisbar ifl. Die Stadt Caffel ließ 1553 ein Urkundenbuch durch einenKleriker einbinden, die Stadt Dixmuyden in Belgien 1530 ein Meßbuch durch dieBrüdervom dritten Orden. Genugfam bekannt ift es, daß die Brüder vom gemeinfamen Lebennicht nur das Abfehreiben der Bücher gefchäftsmäßig betrieben, fondern daß es laut Ordens-regel deren Procurator oblag, für Holztafeln, Leder und Meffing, alfo für das Buchbinden,zu forgen. 27

Hat es bei diefer Sachlage nicht einen viel höheren Grad der Wahrfcheinlichkeit, anzu-nehmen, daß ein College des escripvand Marquet, der fich durch das Buchbinden mitder Gravirung von Metallplatten vertraut gemacht hatte, auf den Gedanken gekommenfei, in ähnlicher Weife Schulbücher auf mechanifchem Wege zu vervielfältigen, und daßfeine Collegen den Vertrieb derfelben übernahmen, als daß ein Holzfchneider, dem nochdazu das Abfaisgebiet damals durch die Innungsvorfchriften wahrfcheinlich fehr gefchmälertworden wäre, auf die Idee verfallen fei, gefchriebene Bücher zu faefimiliren ?

Ich glaube, diefe Frage bejahen zu dürfen, und bin zugleich überzeugt, daß die Schul-bücher jettes en molle von Metallplatten gedruckt wurden. Zweifelhaft kann es aber fein,ob man fich beim Abdruck des Kupferjtich- oder des Metallfchnitt - Druckverfahrens be-diente, was infofern einen großen Unterfchied bedeutet, weil im erfteren Falle der Text(chwarz auf weiß, im andern aber weiß auf (chwarz erfchien.

Da wir von Kupferjtichen Papierabzüge älteren Datums als von Metalljchnitten befitjen,und auch das befprochene italienifche Planetenbuch geltend gemacht werden kann, fo wäredas erjlere keinesfalls unmöglich . 28 Andererfeits weifen aber unfere bisherigen Unter-fuchungen daraufhin, daß die verwendeten Platten wahrßheinlich nicht aus Kupfer, fondernaus Meffing befanden, und da überdies der Kupferdruck damals nur wenigen Gold-(chmieden, der für den Metallfchnitt genügende Petfchaftdruck aber allgemein bekanntwar, fo werden wir beinahe das zweite Verfahren als das wahrjcheinlichere annehmenmüjfen. Auch dürften die Schüler (chwerlich an den weißen Buchftaben auf (chwarzemGrunde Anjloß genommen haben, da die (chwarz gewachsten oder aus geßhwärztemHolz angefertigten Schreibtafeln, vielleicht auch fchon die fchwarzen Wandtafeln in denSchulen allgemein gebräuchlich waren. Jedenfalls (ind die zahlreichen Inßhriften aufMetallßhnitten, unter denen fich fogar der Text eines Ablaßbriefes befindet, (ammtlichweiß auf fchwarz . 29