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Festschrift zum fünfhundertjährigen Geburtstage von Johann Gutenberg / im Auftr. d. Stadt Mainz hrsg. von Otto Hartwig
Entstehung
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VORSTUFEN DER TYPOGRAPHIE.

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24. Audi die erßen am Niederrhein verwendeten Initialen, d. h. diejenigen, die (ich in Johann von Weß-falens 1475 zu Löwen erfchienenem Vergil roth eingedruckt finden, find in Metall gefchnitten, und dasgleiche läßt (idi von verfchiedenen Zierbuch [laben, die Erhard Ratdolt in feinen venetianifchen Druckenverwendete, vermuthen. Für das 16. Jahrhdt. hat A. Kirchhoff im Archiv für Gefdiichte des deutfdienBuchhandels (Bd. X. S. 225 und XI. S. 358) aus den Nachlaßinventarien verfdiiedener damaliger Buch-drucker weitere Beweife beigebracht. Wir finden dort in Kupfer gefdinittene Leißen (Bordüren), ge-goffene Leißen und gegoffene Initialen, aber auchvf holtj gegoßene Buchßaben aufgezählt, worunterwir jedenfalls Clichös zu verßehen haben. Es geht ferner aus diefen Urkunden hervor, daß die Buch-verzierungen von Formfehneidern geliefert wurden, doch werden auch Goldfehmiede als Verfertiger der-felben genannt. Wenn es bei manchen Illußrationen des 16. Jahrhunderts nahezu ausgefdiloffen,feßzußellen, ob ße in Holz oder Metall gefchnitten waren, fo liegt dies daran, daß die alte Metallfchnitt-technik im Laufe der achtzigerjahre des 15. Jahrhunderts ausßarb. Von da ab warder Metallfchnitt nichtsanderes als ein in Metall ausgeführter Holzfchnitt, der ßch von diefem auch gar nicht äußerlich, fondernnur durch feine größere Haltbarkeit unterfcheiden follte.

25. Die Bezeichnung des Buchbefchlages als gesmeyd oder gesmeydspangen erhielt ßch bis in die Zeithinein, wo er längß nicht mehr aus vergoldetem Silber oder Kupfer, fondern aus einfachem Mefßnghergeßellt wurde. Perlartige Einbände, die völlig das Ausfehen von Metallfchnitten haben, ßnd ab-gebildet im Katalog der Bucheinbände des Germanifchen Mufeum. Nürnberg 1889 S. 1622 und Tf. II. Der mit Metallfchnitten bedruckte Einband abgebildet bei H. Lempertj, Bilderhefte zur Gefchichtedes Bücherhandels, Cöln 185365; ein ähnlicher intereffanter Einband, von dem bekannten BuchdruckerJohannes Veldener gebunden, bei J. IV. Holtrop, Monuments typographiques des Pays-Bas. La Haye1868 Tf. 33. Die lange Zeit vorwiegende Anßcht, daß die zur Einbandpreffung verwendeten Stempelin Holz gefchnitten waren, jetjt wohl allfeitig aufgegeben. Nicht nur, daß in Buchbinder -Inventarenaus dem 16. und 17. Jahrhundertmeffene Stöcklein, meffene Stempfell und meffene Lehderßöckeaufgezählt ßnd, fondern es haben ßch auch allmählich ziemlich viele Originalformen gefunden, wovoneine bei Libri , a. a. O. Tf. XII abgebildet. Mit Rückßcht auf die folgenden Ausführungen fei gleicherwähnt, daß in den Buchbinder-Inventaren auch immervonMeffingfchriften undMefßngliniendieRedeiß.

26. J. Kemke im Centralblatt für Bibliothekswefen Bd. VII, Leipzig 1890, S. 149.

27. Näheres befonders bei A. Kirchhoff, die Handfchriftenhändler des Mittelalters m. Nachtrag Leipzig 1853/55und Bücher im Archiv für Gefchichte des d. Buchhandels Bd. XIX S.309ff. Papier und Tinte durftenin Luzern um die Mitte des 15. Jahrhdts. nur von Apothekern feil gehalten werden und 1313 bekleideteim Cißercienferkloßer KaifersheimBruder Hainrich apotecker das Amt des Buchbinders. Da dieApotheker damals eigentlich nur Krämer waren, fo erklärt es ßch auch wohl, warum die Parifer ipiciersnicht nur stilos (Schreibgriffel), fondern wie die englifchen mercers gelegentlich auch Handfchriften ver-kauften. Darauf mag es auch zurückzuführen fein, daß die 1595 in Berlin gegründete Buchbinderinnungzwei Jahrhunderte lang mit den Krämern wegen des Handels mit Schreibpapier und Büchern im Kampfelag. In Italien wurden die Schreiber oft als chartularii (Schreibwarenhändler) bezeichnet; die heute nochin England für die Schreibwarenhändler übliche Bezeichnung stationer bezeichnet hingegen urfprünglicheinen Bücherverleiher.

28. Im 18. Jahrhdt. wurden 'fogar fo umfangreiche Werke wie der Vergil und der Horaz auf Kupfer-platten gravirt und als Buch herausgegeben. Vgl. Janfen, Essai sur lorigine de la gravure ;Paris 1808Bd. II S. 178 ff.

29. Stanislaus Julien hat 1847 in den Comptes rendues des seances de VAcademie des Sciences, Paris ,Tome XXIV (7 et 21 juin) nachgewiefen, daß auch die erßen Holztafeldrucke der Chinefen den Textweiß auf fchwarz Wiedergaben.

30. Abgebildet bei Holtrop Tf. 32, Weigel u. Zeßermann 113, Effenwein Holzfchnitte des GermanifchenMufeums Tf. 13.

31. Beifpielsweife Manuel VI Tf. 31,4.

32. In Florenz und Mailand bietet ßch eine analoge Erfcheinung. Am erßeren Orte erfchienen feit 1477 mitKupferßichen illußrirte Werke. Holzfchnittillußrationen treten aber erß 1490 auf; in Mailand erfchien1479 der erße mit Kupferßichen gefchmückte Druck, der Holzfchnitt fand erß 1496 Eingang. Die frü-heßen Holzfchnittillußrationen diefer beiden Städte zeigen nun, ganz ähnlich den holländifchen, dunkelgelaffene Erdflächen mit weißen Pflanzen und perlartig punktirte Hintergründe, nur in wefentlich geiß-

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