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Festschrift zum fünfhundertjährigen Geburtstage von Johann Gutenberg / im Auftr. d. Stadt Mainz hrsg. von Otto Hartwig
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G. FRHR . SCHENK

und Rückenauffchriften. Sie liegt mir in einem eigenhändigen Briefe aus dem Jahre 1594vor, der ganz abweichende Schriftzüge aufweift.

Audi der oben erwähnte Hieronimus z. J. (geb. 1547, J* 1612), den ich anfänglich fürden Schreiber hielt, kann nicht in Betracht kommen. Ein Abrechnungsbuch über dieAlmofen aus der Stiftung des Jeckel zur Eich im Archive des Frhrn. v. Holzhaufen, dievon dem Senior des Gefchlechts zum Jungen verwaltet wurde, lieferte eine große Anzahleigenhändiger Einträge des Hieronimus aus der Zeit von 1594 bis 1612. Danach konnteich meine, auf zwei kurze Präfentatums des Hieronimus und feine Unterßhrift geftütjteVermutung nicht mehr aufrecht erhalten.

Der Mannsftamm diefer Linie zum Jungen, der Nachkommen des Anthon (geb. 1513,J* 1575) erlofch im Jahre 1640. Der nächfte Agnat war der 1649 verftorbene JohannMaximilian z. J., der oft erwähnte Schriftfteller, an den alfo damals die gemeinfamenFamilienurkunden gelangt fein werden. Möglich wäre es allerdings auch, daß Einigesdavon bei den Nachkommen der Erbtochter des Hans Heinrich z. J. zurückgebliebenwäre. Die erwähnte Eheberedung von 1595 ift nämlich nicht im kaybfchen Verzeichniffeenthalten; was allerdings auch auf Versehen beruhen könnte.

Die Identificirung der Handfchrift gelang durch den Eigenthumsvermerk in einem Buche,das 1640 Joh. Max. z. Jungen erworben hatte: dem von alten Dingen der erlichen StadtMenße handelnden Bande (Frankfurter Stadtbibliothek M. S. II, 18). Der Band trägt indem hinteren Deckel die Worte:E bibliotheca Joannis Friderici Fauften ab Afchaffen-burgo. A° aerae Chriftianae 1605. Das fehr charakteriftifthe deutfche F der Rückenauf-fchrift in dem Namen Fauft ift in diefem Eintrag gar nicht zu verkennen, auch die übrigenSchriftzüge ftimmen beftens dazu. Jeder Zweifel wegen der geringen Anzahl der darinzur Vergleichung vorhandenen Buchftaben muß aber bei Einftcht eines ganz von feinerHand herrührenden, über 200 Blätter ftarken Bandes fchwinden. Er führt den Titel:Hierinnen feind allerhandt der Statt Franckfurt und des Rahts fachen und notabiliaverzeichnet, darumb wer nit des Rahts oder defen Verwander ift, der lafe es ohndurch-blettert und ohnbelefen (Frankfurter Stadtarchiv, Chroniken , N. 3). Die Einträge Fauftsreichen bis zum Jahre 1613, wo er Frankfurt flüchtig verlaffen mußte. Er ftarb 1621 zuNiederkleen bei Butjbach. Seine wiffenfthaftliche Thätigkeit als Herausgeber von Chro-niken ift bekannt (A. Wyß, Die Limburger Chronik pp.).

Wie aber ift der fauftiphe Befttj und die Benutzung zum Jungenfther Documente derAnthons-Linie diefes Gefchlechts zu erklären?

Anthoni zum Jungen (geb. 1513 1575) war feit 1557 in zweiter Ehe mit Margarethe

Raißin verheirathet. Aus diefer Ehe ftammte ein Sohn Maximilian (geb. 1562 1605).

Nach dem Tode ihres erften Ehemannes heirathete fte 1576 den Dr. jur. Johann Fauftv. Afchaffenburg (geb. 1535 1596), der, aus früherer Ehe mit Anna Bromm, den Sohn

Johann Friedrich (geb. 1569 f 1621) hatte. Diefe Stiefverwandtfthaft wird die Veran-laffung gewefen fein, daß Johann Friedrich Fauft das zum Jungenfche Archiv für feinehiftorifchen und genealogifthen Studien benutjte und dabei auch ordnete.

Das zerfchnittene Notariatsinftrument von 1455 mag fo von ihm zuerft wieder bemerktund vom Untergang gerettet worden fein. Maximilian zum Jungen kann es feinem Stief-vater, oder Bruder, als ßheinbar fte angehende fauftiphe Familienurkunde, gephenkthaben; es phien damals noch für die zum Jungenphe Familie ohne Intereffe. Auch einige