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D iefe beiden Urkunden, die einzigen aufgefundenen Nachrichten aus den erften 3 Jahr-zehnten von Gutenbergs Leben, enthalten wefentlich Mittheilungen, die für die Genea-logie von Bedeutung find (vgl. oben S. 74 u. 76). Ueber den Aufenthalt Gutenbergs inden Jahren 1420 und 1427/28 erhält man daraus keine fichere Auskunft. Es ift fehr zubeklagen, dag wir über feine Jugendzeit keine nähere Kunde haben, dag wir „von denEinflügen, unter denen er aufgewachfen, dem Bildungsgang, den er durchgemacht, kurzvon der für feine Entwickelung wichtigsten Zeit fo gar nichts erfahren.“ 31 Bei diefemMangel unferer Kenntnig wird daher auch die wichtige Frage, wie der Gefchlechterfohnin den Befitj der technifchen Fertigkeiten gelangt ift, die er fpäter als Meifter beherrfcht,wohl immer unbeantwortet bleiben. Nur vermuthen kann man, dag Gutenberg bereitsin Mainz Gelegenheit hatte, fich manche Kenntniffe in der Metalltechnik zu erwerben,da Angehörige feines Gefchlechtes, darunter Friele Gensfleifch d. J., zu den MainzerHausgenoffen zählten und in Folge deffen die Kunft des Münzens verbanden. 32
Wann Gutenberg feine Vaterftadt verlaffen hat, fteht nicht feft; jedenfalls gefchah eseinige Zeit vor 1430. Ueber die Gründe, welche ihn in die Fremde trieben, find wirleider nur auf Vermuthungen angewiefen. Doch ift es mehr wie wahrfcheinlich, dag diedamaligen politifchen Zuftände inMainz es waren, die erbitterten Kämpfe der Gefchlechter(der „Alten“) und der Zünfte, welche Gutenbergs fpäteres Leben beftimmten. Wohinfich derfelbe zunächft gewendet hat (Eltville oder Oppenheim?), ift nicht zu entfcheiden.Dag ein Henne G e n s f 1 e i fch, den ich unter den Anhängern des Stragburger BifchofsWilhelm von Dieft (1421) ermittelte, unfer Johann Gutenberg fei, fch eint wenig glaublich. 33
Erft für das Jahr 1430 haben wir die fichere Kunde, dag Gutenberg in der Verbannungweilte; die beiden folgenden Urkunden bieten den Beweis dafür.
Nr. III Gutenbergs Mutter, Else zu Gutenberg, trifft mit der Stadt Mainz ein Ab-kommen über eine ihrem Sohne Johann zustehende Leibrente vonl 3 Gulden. 16.Jan.l430.
„Item als Katherine, Cunge Schwarten dochtervan Delckelnheim 34 vorzydenufflebtageHenne, Friele G en fefleifche feligen fon, kaufft gehabt hat xiij. 35 gülden lipgedingswuchelicher gulten, des ift man mit Elfen zu Gudenberg, finer mutter, obir körnen,daz man ir nu für bagir, fo lange derfelbe Henne in leben ift, nit me geben fall, dannvjVa gülden, nemelich alle xiiij. dag vj fchillinge heller, 36 vnd die obirgen vjV 2 güldenleget fie ftene nach tode Hennen, irs fons.
Actum feria fecunda anteAnthonij anno domini millefimo quadringentefimo tricefimo“[16. Jan. 1430Y 1
Die Originalurkunde ift verloren. Ueberliefert war dies Dokument in dem verfchollenen „Schuldbuch derStadt Mainz“ S. 3, einem Perg. -Codex vom Jahre 1429, der fleh früher im Familienarchiv der zum Jungen inFrankfurt a. M. und noch in diefem Jahrhundert im Glauburg ’fdien Archiv dafelbfl befand (vgl. Schaab I,S. 53). Trotj aller Bemühungen konnte ich das Manufkript nicht wieder auffinden; meine Nachforfchungenin Frankfurt, Darmfladt, Mainz, München, Wien und Würzburg waren vergeblich. Auch die Stadtbibliothekzu Frankfurt, in der es Heffels (Gutenberg , S. 182) vermuthet, befltjt es nicht. Vielleicht befindet es fleh nochin Privatbefltj. Vgl. auch die Notizen des Frh. Schenk oben S. 79 u. 116.
Obiger Text nach der Köhler mitgetheilten Abfchrift aus dem Nachlaffe desjoh. Ernflv. Glauburg im Darm fl.Archive (Acten, Adel, v.Glauburg ). Joh. Dav. Köhler hat unfer Aktenflück zuerfl veröffentlicht (EhrenrettungGuttenbergs 1741. S. 81 Nr. 14); danach K. A. Schaab, Erfindung der Buchdr. I, S. 45, J. Wetter, Erfind, d.Buchdr. S.38, A. v. d. Linde, Gutenberg Urk. II und derfelbe (moderniflrt) Erfind, d. Buchdr. III, S. 745. Vgl.ferner Schaab II, Nr. 77 u. 285, A.Bernard, Del’orig. del’imprim. I, S. 118 und Heffels, GutenbergS . 12, Nr.2.
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