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K. SCHORBACH
lipgedingß || der vorgenanten zweijer perfonen leptage gancz uß zu vnderphande gelacht ||ein filbern horenfeßell 18 vnnd dreij bedier, vnnd wigt der vorgenant || horenfeffel mitdem leder vnnd die drij bedier zu famen feßs || vnnd drijßig marck. Vnnd were eßfache, das dem vorgenanten Johannes || vnnd fein erben die vorgefchriben gulte dervorgenanten zweijer perfonen || leptage gancz uß alle jor jerlidien nit enworden vff diezeijt vnnd || in der maffen, alß vorgefdiriben ßett, 19 fo mochten fie die vorgefchriben ||vnderphande vor gericht off bidden, 20 alß deß gerichts redit iß, die dan || verfeczen,verkauffen, 21 verußern oder verphenden vnnd ir gelt vnnd gulte |[ dannen 22 nemen.Vnnd gienge ine 23 dar ane abe, vor den abegang fall || vnnd will der vorgenant Hanßgut vnd behafFt 24 fein 25 vnnd den || erfüllen. Vnnd hat der vorgenant Hanß geborgetvor ßch vnnd fein || erben, diße 26 gifFt fefte vnnd ßede 27 zu halten. Da beij waß etc. || 28
Die Originalurkunde, 1427 oder 1428 anzufetjen, i[t nicht auf uns gekommen. Dagegen find zwei Copienderfelben in 2 Sammelhandfchriften des 16. Jh. erhalten, die u. A. Mainzer Gerichtsformeln aus dem An-fang des 15. Jahrh. überliefern.
1. Eine Papierhandfchrift der Stadtbibi. Mainz (Mog. I, 27), gefchrieben ca. 1520. Sie enthält 131 Bll. in4° (30x21 cm). Unfer Aktenflüdc [teht auf Bl. 119b Zeile 19 bis Bl. 120“ Zeile 23.
2. Papiercodex im Kreisarchiv zu Würzburg („Mainzer Bücher verfchiedenen Inhalts“ Band V), bald nach1520 copirt. Er begeht aus 194 Bll. in 4° (28X21 cm.). Auf dem alten Einband (Holzlederband) ftehtals Titel: Liber ordinationum D. Alberti 1520. Unfere Urkunde findet [Ich Bl. 170b z. 26— 171 b z. 25.
Ueber diefe beiden Formelhandfchriften und ihren Inhalt vgl. L. Hallein, Mainzer Civilrecht 1891 S. 15ff.Einige Mittheilungen aus dem Würzburger Codex gab fchon vorher Hegel , Chroniken XVIII, S. 214ff. DasMainzer Formelbuch wurde abgedruckt von Hallein , Mainzer Gerichtsformeln (1891); unser Dokument i[tauf S. 102f. veröffentlicht, jedoch voller Fehler und ohne ausreichende Angabe der abweichenden Lesarten.
Ich gebe den Text nach dem im Allgemeinen befferen Mainzer Codex (M) und ergänze feine Lücken ausder Würzburger Hs. (W). Auf eine Nachbildung der fpäten Quelle wurde verzichtet.
Gegen die Glaubwürdigkeit der obigen Urkunden-Copie beßeht nicht das geringßeBedenken. Ohne jeden Zweifel hat der Verfaffer der Mainzer Formelfammlung wirklichealte Urkunden des Mainzer Stadtgerichts, andern erthätigwar, benutzt; an eineFiktioniß nicht zu denken. 29 Wenn in der Mainzer Handjchrift die Namen der GebrüderGutenberg fehlen, fo erklärt ßch dies ungezwungen daraus, daß der Abfchreiber bei denzweimal wiederkehrenden Worten „uß zu haben“ das dazwijchen Stehende überfprang;ein ähnlicher Fall begegnet in der gleichen Urkunde wenige Zeilen fpäter. Die Datirungder Urkunde auf die Jahre 1427/28 ergiebt ßch aus dem Umftand, daß die Formel-fammlung faß ausfchließlich Stücke aus den Jahren 1427 und 1428 enthält. Uebrigensbekleidete der Richter Joh. Molsberg, der mit der Familie Gensfleifch verjchwägert war,fein Amt nur bis 1434. 30
Der Inhalt unferer Urkunde iß nicht leicht verßändlich. Sicher iß, daß die BrüderFriele und Hengin Gutenberg nicht bei dem Gefchäft zwifchen Hans Gutlichter undJohann Imgrafe betheiligt waren. Der von den beiden Leßten vereinbarte Rentenkaufbaßrte aber auf der „lipgedinges gülte“ von 20 Gulden, die den Brüdern als Erft-berechtigten zußand. Nach ihrem Tode follte die Rente an Joh. Imgrafe fallen, wofürdiefer ein Unterpfand erhielt. Wie Hans Gutlichter zum Verfügungsrecht über die Leib-rente der Gutenbergs kam, wiffen wir nicht. Das Intereffanteße an obiger Urkunde iftfür uns die Beftätigung des Todes von Gutenbergs Vater und die Bezeichnung desLetjteren als Friele zu Gudenberg. Die Namen der Zeugen find in der Urkundencopieweggelaffen; ob ßch Friele und Johann G. darunter befanden, iß alfo unbekannt. —