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Festschrift zum fünfhundertjährigen Geburtstage von Johann Gutenberg / im Auftr. d. Stadt Mainz hrsg. von Otto Hartwig
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DIE URKUNDLICHEN NACHRICHTEN ÜBER JOHANN GUTENBERG .

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(chlechthindas werk (vgl. Zeugenausfage 3). Zum Betriebe der neuen Kunft gehörteeine Preffe, deren Geheimhaltung Gutenberg fehr am Herzen lag. Sie war von demDrechsler Konrad Safpach in der Krämergaffe zu Straßburg verfertigt worden und befand(ich zur Benutzung in dem Haufe des Andr. Dritjehn. Nadi deffenTode (chickte Guten-berg feinen Diener in die Stadt und ordnete an, es follten zweiwürbelin an der Preffeaufgethan werden, fodaß die 4Stüde e, welche fich in der Preffe befanden, auseinanderfielen. Aus dem Inventar der Gefellfchaft werden erwähntgefchirrevnd gemachtwerk fowieding gemacht oder ungemacht, formen vnd aller gezügk. Auchwurdedurch die GefellfchaftBlei vnd anders, das darzu gehört eingekauft, was nach Be-hauptung der Kläger deren verdorbener Bruder bezahlt habe. Die unter den Vorräthender Gefellfchaft aufgeführtenFormen ließ Gutenberg kurz vor Weihnachten bei den2 Gefchäftsgenoffen abholen und einfchmelzen. Am wichtigften ift endlich die leiderallzu knappe Ausfage des Goldjchmieds Hans Dünne (Z. 15), welcher im Verhör be-zeugte, daß er vor etwa drei Jahren (alfo 1436) an Gutenberg bei 100 Gulden verdienthabe allein an dem,das zu dem trucken gehöret.

Auf Grund diefer in den Prozeß-Akten vorkommenden technifchen Ausdrücke findmannigfache Verfuche gemacht worden, Gutenbergs geheimnißvolles Unternehmen zubeftimmen. Schöpflin, welcher die Dokumente zuerft herausgab, trat zugleich mit derBehauptung hervor, daß die Geheiminduftrie nichts anderes fein könne, als der Buch-druck mit beweglichen Lettern, und daß nunmehr Straßburg als die Geburtsftätte derTypographie erwiefen fei. Es ift aber nicht zu verkennen, daß feine Deutungen undErklärungen unter Voreingenommenheit leiden, denn er überfetjte manche Stellenungenau und fchob ihnen einen Sinn unter, welchen fie nicht haben. Als vermeintlicheErzeugniffe aus Gutenbergs Straßburger Preffe hatte Schöpflin bald einige Drucke mitunvollendeter Technik gefunden, die zu feiner Vorausfetjung paßten, unter diefen denbekannten Lotharius-Druck mit der Jahrzahl 1448 (Hain 10209). 139 Diefe angeblichenStraßburger Erftlingsdrucke wurden aber mit Unrecht in fo frühe Zeit gefetjt; fie findvielmehr verfchiedenen ziemlich fpäten Offizinen zuzuweifen. 140

Schöpflins Anficht fand Anklang, namentlich bei elfäffifchen und franzöfifchen Ge-lehrten , aber auch Widerfpruch erhob fich. Eine umfangreiche Streitliteratur erwuchs,in welcher die Wortführer von Mainz und Straßburg fich bekämpften, ohne die Sachedadurch zu fördern. 141 Darin ftimmen aber faft alle vorgebrachten Meinungen überein,daß es fich bei Gutenbergs geheimgehaltener Thätigkeit entweder um Tafeldruck oderTypendruck handle. Diejenigen, welche die Aechtheit der Akten anfechten, nehmen dieFäljchung felbftverftändlich in dem gleichen Sinne.

Der erfte, welcher mit der Behauptung hervortrat, daß die technifchen Ausdrücke fichauf das Hauptgefchäft der Straßburger Gefelljchaft, die Spiegel fabrikation, bezögen,war der Cofterianer Jak. Scheltema, 142 welchem Wetter 143 fofort beipflichtete. Hiermitwurden die erdichtetengedruckten Spiegelrahmen in die Gutenbergliteratur eingeführt.Von der Linde 144 führte die Hypothefe diefer beiden Männer etwas modificirt weiteraus, ohne Nennung feiner Vorgänger, fodaß er jetjt als der Urheber diefer neuen Ideegilt. Seine Auffaffung, Gutenberg habe in der hölzernen Preffe Metallwände kleinerSpiegel geprägt (das ift doch nichtgedruckt !), deren Stücke man durch Zerlegen un-kenntlich machen konnte (!), ift völlig verfehlt und hat wenig Anklang gefunden. 145 Auch