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K. SCHORBACH
andere neuerdings ausgefprochene Vermuthungen, Gutenberg fei vielleicht ein Heiligen-drucker, der von weichen Metallplatten Bilder in der Preffe abgedruckt habe 146 odergar ein Zeugdrucker 147 gewefen, find als unhaltbar abzulehnen, weil die Akten direktdagegen fprechen.
Als vorherrfchend behauptet (ich jetjt die Anficht, dag die geheimnigvolle ThätigkeitGutenbergs in Vorarbeiten und Verfuchen in der Kunft befanden habe, die er fpäter inMainz zur Vollendung und praktißken Ausführung brachte. In diefem Sinne haben fichvorurtheilsfreie Männer wie Fr. Kapp 148 und unparteiifche Gutenbergforfcher wieK. Dzialjko und A. Wyß des öftern rückhaltlos ausgefprochen. Prüfen wir nun, ob diefe Auf-faflung in unferer Urkunde eine Stütze findet.
Es iß nach der Ausfage des Goldfchmieds Hans Dünne (Zeuge 15) 149 unzweifelhaft,dag Gutenberg fich bereits im Jahre 1436, d.h. vor Abfchluß der Gemein (chaftsverträge,mit dem Gedanken trug zu „drucken,“ alfo irgend ein Druckverfahren auszuüben.Wenn der Holländer v. d. Linde meinte, das Wort „drucken“ könne im Munde desGoldfchmieds nur foviel heigen wie Metall drücken, preffen oder prägen, fo befand erfich im Irrtum. Die gemeinte Metalltechnik wird (chon im Mittelhochdeutfchen „praechen“genannt und heigt fo bis auf den heutigen Tag. Das Kunftwort „drucken“ war (chonlängß vor Gutenberg im Gebrauch für farbigen Abdruck von Holzßöcken auf Zeugeoder auf Papier . Das eine Gewerbe, das Aufdrucken von Muftern auf Stoffe, übtendie Zeugdrucker in Deut(chland bereits feit langer Zeit . 150 Als „Drucker “ werden fieurkundlich zuerß 1356 bezeichnet, fpäter heigen fie auch,, Aufdrucker, “Tuchdrucker u.dergl.Auch das Abdruckverfahren auf Papi er, die xylographifche Vervielfältigung von Spiel-karten und Heiligenbildern, war längft bekannt und wurde von den Kartenmachern undFormfehneidern (fpäter auch Heiligendruckern 151 ) mittelft des Reibers ausgeführt. Seit demJahre 1428 find ferner „Brieftrucker “ 152 belegt, die nach Schreiber anfänglich Illuminißenoder Goldfehreiber waren und mit farbigen Modeln auf Goldgrund druckten. Man gehtdemnach, das Wort „drucken“ bezeichnete verfchiedene Druckverfahren. Es konntealfo fofort auf den neuen Vervielfältigungsdruck durch metallene Buchftabenßempel an-gewendet werden, als deffen terminus technicus wir es fpäter finden . 153
Als Gutenberg (1438) feine Genoffen in alle feine technifchen Fertigkeiten, alfo auchin die Kunft zu „drucken“ eingeweiht hatte, werden bei dem Gefchäftsbetrieb von denGefellfdiaftern Formen verwendet. Kurz vor Weihnachten 1438 lieg Gutenberg beiAndreas Dritjehn und Heilmann alle Formen abholen, welche vor feinen Augeneingefchmolzen („zurloffen“) wurden nach Angabe des gut unterrichteten ZeugenAnt. Heilmann (Zeuge 14). Die Formen waren demnach aus Met all. Wasfiedarftellten,ob Buchbinderßempel oder Typen, lägt fich bei der Allgemeinheit des Ausdrucks nichtficher beßimmen. Zieht man aber in Betracht, daß das Wort Formen (formae) in denSchlußfchriften von Erßlingsdrucken für Lettern gebraucht wird, wozu auch die „literaeformatae“ und „formae ferreae“ Waldvogels in den Avignoner Urkunden von 1444/46ßimmen, fo iß die M ö g 1 i ch k e i t nicht abzuweifen, dag auch die in den Prozeßakten von1439 genannten „Formen“ Einzelbudißaben aus Metall gewefen find. 154
Die zu dem neuen Gewerbe verwendete Preffe follte, wie wir (chon fahen, geheimgehalten werden, denn Gutenberg fandte fofort nach Dritjehns Tode feinen Diener abmit der Weifung, ße niemand zu zeigen (Zeuge 2, 4, 5, 10, 14). Es war alfo keine ge-