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Festschrift zum fünfhundertjährigen Geburtstage von Johann Gutenberg / im Auftr. d. Stadt Mainz hrsg. von Otto Hartwig
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DIE ZWEIFARBIGEN INITIALEN DER PSALTERDRUCKE.

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forgfältig mit dem Stichel herausgeßochen werden, eine, nach fachmännifcher Anficht,recht (chwierige Arbeit. Nimmt man felbß an, dag diefe Arbeit z. B. durch Ausfagenaus einer Metallplatte erleichtert worden fei , 8 fo mug doch als wahrßheinlich gelten,dag die Furche kleine Ungleichheiten in Weite undTiefe aufwies. Hierdurch mugte aber,auch unter Annahme der Möglichkeit, durch Unterlegungen in der Furche nachzuhelfen,bei dem augerordentlich engen Anfchlug Veranlagung zum Feftklemmen und Zerbrechender ßark gepregten Initialplatte gegeben fein. Die häufigen Brüche der dünnen Stellender Initialkörper finden fo ihre Erklärung. Sehr beachtenswerthe Hinweife enthalten auchder an folchen Bruchftellen erkennbare Zwifchenraum und der Höhenunterfchied derInitial-Stücke. Man verwendete offenbar die zerbrochene Initialplatte in zwei Stücken,die, in der Rinne aneinandergelegt, einen genügenden Abdruck ergaben. Sehr bezeich-nend hierfür das Vorkommen des M mit lofe angelegter Hafta 1457 Darmß. Bl. 30 b.Die abgebrochene rechte Hafta druckt etwas ftärker und ein wenig nach oben verfchoben,ganz ähnlich wie im Berliner Exemplar Bl. 151b Taf. 29. Auf Bl. 47b 55a 61b u. 62a,Darmß. Pf., eine Ausbefferung erkennbar, die Abbruchftellen oben und unten druckenglatt ab, die beiden Theile find offenbar wieder feft verbunden. Von Bl. 90b an (auchim Berliner Exemplar) werden jedoch die früheren Bruchftellen wieder bemerkbar. Wahr-ßheinlich ift die Hafta abgebrochen und liegt lofe neben dem andern Theil der Initiale.In der That wird ße Bl. 145 b, Berlin, ganz fortgelaffen, erßheint aber Bl. 151b, Berlin, mit deutlichen Bruchftellen wieder, f. Taf. 29. Vor dem Druck von 1459 hat eine erneuteAusbefferung ftattgefunden. Während diefe die beiden Auflagen von 1459 und 1490 voll-ftändig ausdauert, erweift ßch in Pf. 1459 die linke Hafta bald als zu fchwach. Sie 1459Bl. 109 a abgebrochen und kommt bis zum Schluffe von 1459, ganz ähnlich wie 1457 dierechte, vermuthlich nur lofe anliegend, zum Abdruck. Beim Druck von 1490 fcheint ßenicht mehr vorhanden zu fein; ße fehlt bei allen Abdrücken f. Taf. 29. 9 Bei B 1459, 117 bdruckt an der obern Bruchftelle das linke Bruchftück ftärker, bei der gleichen Initiale1490, 94 a das rechte, vergl. Taf. 27. Die fehr zerbrechlichen und oft ausgebefferten Apicesvon A und I werden, ebenfo wie die fehr bezeichnenden Verletzungen der Initiale D, inanderem Zufammenhang befprochen werden. Hier fei nur darauf hingewiefen, daß ße diefchwache Konftruktion ebenfo wie die Beweglichkeit der Initialplatte in ausgezeichneterWeife darthun. Siehe die Abbildungen Taf. 28.

Von befonderem Intereffe für unfere Darlegungen ift ferner dieThatfache, daß bei derAusgabe von 1502 faß alle 1457, 1459 und 1490vorkommenden Initialkörper der 3. Größeohne den Verzierungsftock abgedruckt find. Die Initialplatten wurden zu diefem ZweckeaufSchrifthöhe gebracht, alfo auf entfprechendem Fuß befeßigt, vielleicht auch angelöthet.Es find ABC (die Initiale von 1457/59, nichtvon 1490) DEI und langesJLNOPQRST U,mit Ausnahme von C 1490 FG der 3., C DE und S der 2. und B der 1. Größe, fomitalle überhaupt vorhandene. An Stelle des (chon 1457 zerbrochenen M, deffen linke Haßavor dem Drucke von 1490, wie es fcheint, verloren war, trat ein Neufchnitt, f. Taf. 29,der jedoch die bei dem neuen C von 1490 thätige geßhickte Hand vermiffen läßt. DieMängel in Form und Schnitt erweifen die minderwerthige Arbeit. 10

Eine werthvolle Stütze diefer Ausführungen bildet auch der in Pf. 1515 vorkommendeAbdruck der neuen C-Initiale von 1490, vergl. Taf. 27. Hier find die Ornamente allein,ohne die zugehörige Initialplatte abgedruckt. 11