DIE ZWEIFARBIGEN INITIALEN DER PSALTERDRUCKE.
271
des Pregtiegels erfolgte und die Initialplatte niederdrückte. Auch eine weitere Verände-rung der Verzierungen fcheint mit diefem Unfälle zufammenzuhängen, die rechte untereEcke derfelben ift bedeutend nach unten ausgewichen. Sehr wahrfcheinlich zerbrachferner die Initialplatte felbft. Die Abdrücke Bl. 53 a und 61a zeigen fie zwar forgfältigzufammengefügt, nur am untern Bogen i[t eine kleine Abfchwächung erkennbar, alleinfie wurde durch die Ausbeflerung um mehr als einen Punkt breiter, wie feither. DieVerbindungen [cheinen dem ftarken Druck der Prefle nicht lange widerftanden zu haben.Bei den Abdrücken 75 a und 80 a trennt {ich die untere, bei 124 b, 125 a bis 153 a auchdie obere. Bl. 190 b und 201b zeigen beide Bruchftellen wieder hergefiellt — jetjt findaber die beiden Vertical-Ha(ien über 2 Punkt auseinandergekommen. Genau in diefemZußande kommt der Initialkörper auch 1502 zur Verwendung. Die allmähliche Ver-breiterung der Initiale, wie fie hier nachgewiefen ift, findet fomit durch wiederholtenBruch und Ausbefferung genügende Erklärung. Sie bedingte natürlich auch entfprechendeNachhülfe an dem Verzierungsftock, die fich als Verbreiterung der Rinne zur Aufnahmeder Initialplatte erkennen lägt. Von Bl. 124b an erfcheinen auch die Verzierungen felbflnachgeßochen. Sie waren fowohl in Folge häufiger Verwendung, als auch, wie es (cheint,durch einen befondern Unfall plattgedrückt worden. Dag diefe an der Initiale D 1490zu beobachtenden Thatfachen die Annahme eines feften, untheilbaren Stocks ausfchliegen,liegt auf der Hand.
II. Farben der gedruckten Initialen. Angebliche Uebermalung des Körpers derzwei-
Aus den vorftehend befprochenen VerletJ- farbigen Initialen. Befchaffenheit der Druck-, , t • j • p i.p c, , , r färben derPfalterdrucke.Diezuderizweifarbigen
ungen hat v. d. Linde einen feltfamen Schlug Initialen verwendeten Farben .gezogen. Offenbar beziehen fich feine Be-merkungen Quellenforfch. S.79 auf den, übrigens nur in Pf. 1490 bei 27 von im Ganzen49 Abdrücken des D vorkommenden, verbreiterten Abftand zwigken Initiale und Orna-menten; vielleicht hat er auch die Initiale S Bl.50 und die folgenden 9 Abdrücke imSinne gehabt, deren Verzierung rechts um etwa V 2 mm ausgebogen ift. Er meintnämlich, es feien überhaupt alle Initialen, auch 1457 und 1459, nachträglich übermaltworden. „Die matte rote und blaue druckfarbe, womit die lettern und Ornamente(der zweifarbigen Initialen) vor dem druck abwechfelnd mit vielem Zeitaufwand be-ftrichen worden find, wurde nachträglich vom illuminator übermalt und [ihr] zu dergenauen abgrenzung verholfen, welche die typen felbß n i ch t hatten. Denn der raum,welcher fich 1490 und 1516 (vom grogen anfangs-B abgefehen) zwifchen Verzierung undbuchßabe zeigt, lägt die nachbeffernde hand des illuminators vermiffen.“ Ich brauchewohl kaum zu erklären, dag diefe Behauptung nickt mit einem einzigen Beifpiel ausden von mir unterfuchten Drucken zu belegen ift. 1516 kommen überhaupt keineInitialen der 3. Gröge vor. Von einer Uebermalung der Pfalter-Initialen kann durchausnicht gefprochen werden. Sie find alle regelreckt gedruckt und weder mit Pinfel nochSchreibrohr berührt; ausgenommen die eingemalten Initialen an zumeift aus technifchenGründen offengelaffenen Stellen, fowie die nie gedruckt vorkommende, immer gemalteInitiale H. 13 Ganz verfchwindend felteneAusnahmenbefchränkenfichaufwirklicheKorrek-turen oder Zufälligkeiten; Nackhülfen aber in dem Lindefchen Sinne find an unferen,fehr häufig durch überreichlichen Auftrag einer fehr gut deckenden Farbe hergeftellten