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HEINRICH WALLAU
Initialabdrücken ficher nicht vorgekommen. Ich wende, auch abgefehen von dem that-fächlich nicht zu erbringenden Nachweis, gegen die Uebermalung den Umgand ein, dagdie fette, langfam trocknende-Druckfarbe noch lange Zeit nach dem erfolgten Abdruckwafferlösliche Malfarben fehr [chlecht annimmt und ein Ueberarbeiten [chon aus diefemGrunde, wie es (cheint, grundfätgich vermieden worden ig. Es lägt geh hiermit vielleichtin Verbindung bringen, dag Pf. 1490 einige falfche Initialen nicht ohne erhebliche Mühedurch Druck umgeändert wurden. Der unrichtige Abdruck wurde mit Papier fauberübergeklebt und dann die richtige Initiale aufgedruckt. Siehe Bl. 203a, wo von InitialeO nur der viereckige Theil zugeklebt, dann die richtige Initiale U aufgedruckt wurde.Von U war jedoch nur ein für die überklebte Stelle erforderlicher Theil eingefärbt, fodag im Uebrigen die O -Verzierungen gehen geblieben gnd. Ferner R Bl. 195a, wo eszum vortheilhaften Ausfehen diefer Ausbefferung beiträgt, dag einige Verzierungen desletjten Aufdrucks über den Rand des aufgeklebten Papiergreifens fallen; auch die InitialenF 204b und M 210b, beide als Tecturen auf die Initiale S.
Ueberhaupt finde ich nicht die geringften Anzeichen dafür, dag die Drucker der Pfalter-Ausgaben je beabgehtigt hätten, die technighen Kennzeichen und Mängel ihrer Druckezu verdecken oder zu verfchleiern. Ich erinnere an die hundertfach vorkommenden Ab-drücke der zerbrochenen Initialplatten, deren auffallende und görende Lücken mit ganzwenig Mühe nachzubegern gewefen wären; fo die fehlende Hafta bei M in Ps. 1457 Berlin,Bl. 145 b und Pf. 1490 Bl. 26 a (f. Taf. 29; einige blaue Abdrücke in Pf. 1490 wurden inRoth ergänzt!) Sie blieben, ebenfo wie andereMerkmale der Technik auch in den Druckenvon 1457 und 1459, unverändert und erweifen geh noch heute in naiver Deutlichkeit alsdurchaus einwandfreie „Urkunden“ für die Beurtheilung des Druckvorgangs felbg.
Mit der Frage der Uebermalung oder Nachbefferung des fatten Roth und Blau unfererInitialen geht in engem Zufammenhang, dag bisher, foweit ich fehe, in den technighenErörterungen des Drucks diefer Initialen, fowie der kleineren Uncialen des Textes,auf einige, von den heutigen wefentlich verfchiedene Vorbedingungen kaum Rückgchtgenommen worden ift. Für die fachgemäge Beurtheilung des mechanifch-phygkalighenVerhaltens der in den Pfalterdrucken vorkommenden, aufgedruckten Farben erweig gehfomit eine kurze Feggellung der Bereitung, des Auftrags auf die Typen, fowie des Ab-drucken diefer Farben als nothwendig. Nach meinen Beobachtungen wurde zum Druckder fo auffallend gut gedeckten Initialen und Uncialen von 1457 und 1459 eine auger-ordentlich pigmentreiche Farbe verwendet. Insbefondere die Zinnoberabdrücke laffen dierelativ groge Pigmentmenge unzweifelhaft erkennen. Bezeichnend gnd hierfür diehäufigen,auf den breiteren Flächen vorkommenden, dicken, feg aufgetrockneten Kruften mitgumpfer, poröfer Oberfläche. Dag das verwendete Roth und Blau mit ganz wenigghwachem Firnig angerieben und daher eine fehr ftumpfe „kurze“ Farbe in unfermmodernen Sinne gewefen fein mug, gheint mir auch der Umftand zu beweifen, dag gehnirgends Spuren von „Fadenziehen“ finden. Zweifellos erleichterte diefe Beghaffenheitdas Aufträgen und Decken; vielleicht hängt auch der nach unfern Begriffen allzureichlicheFarbeauftrag, der fehr häufig zu beobachten ig, damit zufammen. Man verfchwendetedie werthvollen Farben geradezu. In hunderten von Fällen könnte man heute drei odervier Abdrücke mit der für Einen verwendeten Farbe herftellen, ohne „graue“ Abzüge be-fürchten zu müflen! Die Folgen diefes übermägigen Auftrags zeigen die Abdrücke. Einige