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Festschrift zum fünfhundertjährigen Geburtstage von Johann Gutenberg / im Auftr. d. Stadt Mainz hrsg. von Otto Hartwig
Entstehung
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DIE ZWEIFARBIGEN INITIALEN DER PSALTERDRUCKE.

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Beispiele wurden fchon früher, S. 264, nachgewiefen, wo bei zweifarbigen Abdrückendie Initialfarbe (offenbar beim Einfetjen der übermäßig eingefärbten Initialplatte) inMenge auf die Verzierungen gerathen. Abgefehen jedoch von diefen Ausnahmefällen,tritt das dick aufgetragene Roth oder Blau faß regelmäßig über den Rand der Type.Wirkte nämlich auf die derart eingefärbte Type der fehr fchwere, langfam einfetjende,und langdauernde Drude des Preßtiegels, der Pergament und Satj nach meiner An-nahme viele Secunden lang, wie eine Prägeform zufammenpreßte, fo fchob ßch die anund über dem Rande hängende Farbe in vertikaler Richtung nach unten bis der Druck-einfatj zu Ende gekommen war. Es klar, daß diefer Farbeüberfchuß nunmehr weitvom Rand der Type auf dem über diefe geßülpten Pergament oder Papier hängenbleibt, während die eigentliche Kante des Buchßaben durch die fchiebende und quetfehendeWirkung des Eindrucks wenig oder keine Farbe behält. Man nimmt daher in zahllofenFällen ziemlich erhöhte, den (charf eingeprägten Rand der Type begleitende, feß aufge-trocknete Farbewälle wahr. Siehe z.B. B1502, 17 a, Taf.27, wo auch die helle Kante ganzdeutlich; J 1459 136a Taf.29; M 1459 109a unten links, Taf.29; U 1459 121a Taf.30.Stark paßofe Abdrücke von Initialen f. Pf. 1457 Bl. 8b C, 9b E, 10a D, 20a D 2. Gr.,24b B, 118b C; vonVerfalien 5b, 25a, 88b. Pf. 1459Bl. 6a Init. SU, 1 la E, 21a B, 80bC, 113b L; Verf. 41a, 46b, 65a, 80a, 110b, 112a und a. m. Die freißehenden Uncialenzeigen den äußern Farberand häufig viel breiter, wie die zweifarbigen Initialen; dickeFarbejchichten jedoch feltener. Die Photographie giebt diefe nicht wieder, ebenfowenigirgend eine der vielen modernen Reproduktionen, denen hierdurch natürlich ein äußerßbezeichnendes Moment diefer eigenartigen alten Drucktechnik verloren geht. Die vielfeinere Vertheilung des fchwarzen Pigments, des Rußes, gegenüber den nur relativ grobpulvrißerten rothen und blauenErdfarben, erklärt, daß die fchwarzgedruckten Typendie befchriebenen Erjcheinungen nicht zeigen. Man erkennt wohl an den fchwarzgefärbtenPergamentßellen, die denEinfat; der Typen umgeben, daß auch die fchwarze Druckfarbein der Regel reichlich aufgetragen wurde. Zur Bildung paftofer Schichten aber konntedie Rußfarbe nicht führen, ße befaß zu wenigKörper, fagt der Drucker in diefem Falle.Nur eine Stelle, die auch Schwarz ein wenig paftos zeigt, finde ich Pf. 1459 auf Bl. 48 b,Mitte der Seite. Ich halte für fehr begreiflich, daß das paftofe Ausfehen der kleinenFarberänder, im Zufammenhalt mit den auf den Flächen der roth und blau gedrucktenBuchftaben befindlichen Kruften, die ßch zudem beide durch etwas dunklere Farbe aus-zeichnen, manchem Beobachter als Handarbeit desIlluminators erfchienen fein mag,und fo die Legende der Uebermalung gefördert wurde. Ich glaube aber unzweifelhaftgemacht zu haben, daß die befprochenen Erfcheinungen thatfächlich durch die Technikdes Buchdrucks entftanden find, wenn auch das fehr feltene Vorkommen derartigpaftofer Abdrücke in alter und neuer Zeit ohne Weiteres einzuräumen ift.

In bezeichnendem Gegenfat? zu der mit kräftigßen Deckfarben gedruckten Initialeftehen die Ornamente derfelben, die, wie bereits erwähnt, in zarten laßerenden Farbenerßheinen. Die Anlehnung an das auf den breiten Flächen der Initiale mit paftos aufge-fe^ter Farbe gemalte, dann mit leichten Federzügen ausgeßattete Vorbild ift in diefer Ab-ftufung der Farbenverwendung unverkennbar. Nicht weniger beachtenswerth ift dieThatfache, daß der Druck von 1457 auch in diefer Beziehung die forgfältigße Durch-bildung aller Pfalterdrucke aufweift. Die nachftehende Ueberßcht zeigt die bei den

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