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Festschrift zum fünfhundertjährigen Geburtstage von Johann Gutenberg / im Auftr. d. Stadt Mainz hrsg. von Otto Hartwig
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HEINRICH WALLAU

zweifarbigen Initialen der Ausgaben von 1457, 1459 und 1490 zur Verwendung ge-kommenen Farben.

1457, Initialkörper in ftark deckenden, paftos aufgedruckten Farben (leuchtenderZinnober oder ftark nach Indigo ziehendes Dunkelblau). Hierzu flehen die zart abge-tönten Farben der Ornamente in wirkfamem Gegenfatj. Es kommen drei Nuancen vor:fchwaches Zinnoberroth, leuchtendes Himmelblau von größter Schönheit und trotj desoft ftark vergilbten Pergaments heute noch rein blau, fodann vereinzelt Violettrofa, unfermKrapprofa fehr ähnlich.

1459, Roth und Blau der Initialplatten zeigen keine auffallenden Verfdiiedenheitenvon 1457. Bei den Ornamentfarben dagegen fcheint nur das fchöne Hellblau unver-ändert, das fchwache Zinnoberroth ift weniger forgfältig vorbereitet, es deckt nicht feitenviel ftärker, wie früher und Violettrofa fehlt ganz.

1490, Die Farbebereitung weift offenbar grundfätjliche Veränderungen auf. Roth undBlau der Initialkörper fcheinen bedeutend firnißreicher angerieben und auch wenigerdick aufgetragen zu fein. An Stelle des eigenartigen Dunkelblau der früheren Drucketritt ein trübes grünliches Grau von ungünftigem Ausfehen. Wahrfcheinlich wurde derurfprünglich blaue FarbftofF durch gelblichen Firniß und das gelbliche Papier beeinflußt.Erft von Blatt 49 a ab wird diefe Farbe mehr Blau-Grau, wohl durch Verwendung vonintenfiver blauem Pigment. (Ultramarin?) Stellenweifes Vorkommen von Grün-Schwarzabgerechnet, bleibt diefe blau-graue Nuance bis zu Ende. Zu den Ornamenten werdendie Initialfarben etwas verdünnt verwendet. Es entftanden mithin mattes Zinnoberroth,fchmutjig grünlicher und fpäter matt blaugrauer Ton. Vereinzelt findet fich diefe letzteOrnamentfarbe auch auf Initialplatten verwendet z. B. bei L Bl. 136 a u.b, 137 b, 138 b.Das fchöne Hellblau von 1457/59 fehlt vollftändig. Ein erheblicher technifcher Rück-fchritt in der Zubereitung der Farben ift unverkennbar.

III. Material der Initial-Druckstöcke.

Metallfchnitt der Druck-[töcke. Verlegungen undAusbefferungen (Löthar-beit) an Ornament- undInitialplatten.

Die Druckftöcke der Pfalter-Initialenwurden bekanntlich bis in die neuefteZeit von vielen Seiten als Holzfchnitte erklärt. Oefter findet mandabei die Bemerkung, daß fie mit großem Gefchick gefchnitten undin zwei Farben abgedruckt feien. Solchen Flüchtigkeiten gegenüberhat m. W. zuerft de Vinne als Fachmann in beftimmter Weife mitder Erklärung Stellung genommen, daß diefe Initialen nur durchMetallfchnitt hergeftellt fein könnten. Die kurze, aber ungemein treffende Begründungde Vinnes (a. a. O. S. 535, Anm. 1) lautet:...The thin curved lines of the ornamentalportions of these letters could not have been cut on the flat boards then used by all engraverson wood. The absence of cracks and broken lines, after long Service, in every print takenfrom these cuts is presumptive evidence that they were cut on metal. The ornamentationis unlike that of the Professional engravers of block-books and at once suggests the thoughtthat they were cut on brass or type-metal by the hand that cut the types of the text.Schon die einfache Ueberlegung, daß die mit zart gefchnittenen Federzugornamentenausgeftatteten Initialen zu den drei Ausgaben von 1457, 1459 und 1490 gedient habenund durch Preffendruck z. Th. ganz erheblich inAnfpruch genommen worden find, ohnedaß hierdurch eine auffällige Abnutjung entftanden wäre, muß dazu führen, die Stöcke