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Festschrift zum fünfhundertjährigen Geburtstage von Johann Gutenberg / im Auftr. d. Stadt Mainz hrsg. von Otto Hartwig
Entstehung
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DIE ZWEIFARBIGEN INITIALEN DER PSALTERDRUCKE.

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für aus hartem Metall hergeßellte Schnitte zu erklären. Als neues wichtiges Moment tritthinzu die oben gefchilderte Vorrichtung zum zweifarbigen Druck: ein befonderes, in Formder Initiale ausgeßhnittenes, auf beiden Seiten glattes Plättdien, das in genau paffende,zwifchen den Ornamenten ausgeßochene Vertiefungen eingelegt wird. Eine treffendereErgänzung, wie diefe fo ganz metalltechnifch gedachte Einrichtung, hätten de Vinnes Feß-ßellungen kaum finden können. Audi das Verhalten der Initialplättchen, die nur wenigeMillimeter dick angenommen werden können, beweift mit Sicherheit, daß ße aus feßemMetall gefertigt waren. In der Ausgabe 1502, wo diefe harten Initialplatten ohne die Ver-zierungen zum Abdrude gelangen, zeigt der fdiarfe Rand tiefeingepreßter Abdrücke oftfehr deutlich, daß fie keine nennenswerthe Abnutjung erlitten haben. Nicht wenigerüberzeugend find andere drucktechnifche Gründe, die Herr W. L. Schreiber auf vor-ftehenden Blättern S.46, gegen den Holzfchnitt diefer Initialen einwendet; fo namentlich,daß Holzftöcke die häufige und gründliche Reinigung, die, wie der beßändige Farben-wedifel der Abdrücke bezeugt, unbedingt ftattfinden mußte, unmöglich aushalten könnten.

Die folgenden Nachweife an Initial-Abdrücken werden daher mit der erledigten Holz-fchnittfrage in keine Beziehung mehr gebracht werden; fie follen vielmehr zeigen, wiegroß die Widerftandsfähigkeit des verwendeten Metalles etwa zu fchätjen ift. Die Prüfungder einfehlägigen Abdrücke führt mich nämlich zur Vermuthung, daß die Verwendungvon Typenmetall für die Ornamente und mehr noch für die Initialplatten ausgefchloffenift, fo naheliegend fie bei einem wohlgeübten Schriftgießer fcheinen mag. Ich halte ange-fichts der thatfächlich ftattgefundenen Beanfpruchung die Schriftmetalllegierung im Allge-meinen nicht für widerftandsfähig genug, insbefondere aber zur Herftellung der pracht-vollen Gravierungen bei weitem nicht für fo geeignet, wie etwa Bronze oder nicht fprödesMefßing oder reines Kupfer. Sogar die Verwendung von Metall verfchiedener Härtehat, wenn man das Verhalten der Initialplatten fowie die oben befprochenen, durch derenEindrücken in die Ornamente erfolgten Verlegungen bedenkt, einige Wahrfcheinlichkeitfürfich, fo daßalfo die Ornamentßöckeaus weicher Bronze oder Kupfer, die Initialplattendagegen aus harter (gehämmerter) Bronze beftanden haben könnten. Sehr wol im Ein-klang mit diefer Annahme fteht die hohe, bei weitem noch nicht gebührend gewürdigtetechnifche Vollendung des Schnitts der Ornamente, 14 der gewiß ein die flotte Stichel-führung nicht er fchwerendes Material vorausfetjen läßt. Die Gravierung enthält thatfächlichmanche Befonderheiten, die an Verwendung von Schriftmetall, fei es hart oder weichlegiert, nicht denken laßen. Vergi, z. B. Taf.25 beim großen B die fpitjen Ausläufer derOrnamentlinie, die fleh außen zwißhen den beiden Bogen befinden und noch Pf. 1516fcharf abgedruckt find ; oder.Taf. 29 N 1457, 77 a die Verdoppelung der Ornamentlinielinks der erften Hafta oder auch die noch 1490 z. Th. wohlerhaltenen Randlinien, die amviereckigen Theil der Initialen dicht an der Kante (ohne Fleifch) ftehen, u. a. m. allesThatfachen, die auf widerftandsfähigeres Material, wie Schriftmetall, ganz beftimmt hin-weifen. Selbft zugegeben, daß mit den nachftehenden Beifpielen ein zwingender Beweisfür meine Annahmen nicht erbracht, fo kommt doch den an diefe Beobachtungen ge-knüpften Rückfchlüffen der höchße Grad von Wahrfcheinlichkeit zu.

Stark eingepreßte Drucke der Verzierungen ganzer Initialen finden ßch Pf. 1457,Darmßadt, und zwar: A Bl. 54a. B 20a 40b 51a 100b. D52b 129b. J 43a O 134a P36aQ lb. U75b und D der zweiten Größe auf Bl. 49a Taf.25. Alle diefe Abdrücke erinnern