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Festschrift zum fünfhundertjährigen Geburtstage von Johann Gutenberg / im Auftr. d. Stadt Mainz hrsg. von Otto Hartwig
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HEINRICH WALLAU

an Preflungen, die mit heißer Platte auf der Vergolderpreffe hergeßellt werden; dasPergament zeigt auf der Rüdefeite meiß die kräftig hervortretenden, geprägten Ornamente.Bei D 2. Größe das Relief der Rückfeite zwar nicht fehr hoch, doch ungemein fcharf;man kann auf ziemlichharte Zurichtung diefes Abdrucks fehließen. Auf Bl. 5 a gehendie Verzierungen der Initiale C links oben über eine Naht im Pergament. (Bei derPergamentbereitung wurde ein Schnitt in der Haut mittels einiger mit grobem Garn aus-geführter Stiche zufammengezogen.) In die hier befindlichen, bei der leichten Feuchtungdes Pergaments fehr wahrßheinlidi doch harten Wülfte find die zarten Verzierungen tiefeingepreßt. Trogdem zeigen die folgenden Abdrücke die durchaus unverfehrte Be-fchaffenheit der Ornamente. Pf. 1459 Bl. 21a ift die obere Verzierung des B abgedecktund mit größter Kraft blind eingedrückt. Trog diefer Mißhandlung druckt diefelbe Initiale27 a und 63 a tadellos fcharf; gerade die gedrückte Stelle, 4 kleine Kreife nebß ganzfeinen Linien rechts davon, druckt ebenfo zart ab, wie die übrigen Ornamente. Pf. 1459N 109 b, fchon oben erwähnt, gleicht ebenfalls durchaus einer kräftigen Buchbinderprägungvon Mefßngplatte. Die Verzierungen nebß Initialplatte haben fogar auf dem umgefalztenandern Blatt des Bogens, 102 b, einen auffallend ßarken Blinddruck erzeugt. Taf. 29 zeigtdeutlich die ßarke Preffung der unteren, ohne Farbe eingeprägten Federzüge. Trogdemdruckt N 118 b, 119 a, fowie in der Ausgabe 1490 ßebenmal ganz tadellos. Initiale Dkommt, nachdem ße 1457 über 40 mal, 1459 43 mal benugt war (darunter ein ftarkerBlinddruck von 92a auf 99a) bei der Ausgabe 1490 in noch leidlich gutem Zuftand zurVerwendung, f. Taf. 28. Wie oben näher befchrieben, wurden die Verzierungen, wahr-fcheinlich infolge eines Verfehens ganz breitgedrückt. Diefe Erfcheinung läßt übrigensmit Beßimmtheit darauf fchließen, daß das Metall der Verzierungen eine gewiffe Nach-giebigkeit befaß; die Feßigkeit des Mefßngs dürfte ihm kaum zuzufprechen fein. DieArt der Nachhilfe an den breitgequetfehten Ornamenten, die freilich von wenig gefchickterHand herrührt, fcheint mir außerdem für Metallßhnitt bezeichnend zu fein.

Durchaus dem Metallcharakter entfprechend find auch die häufigen Verlegungen undAusbefferungen, welche die den viereckigen Theil der Initiale begrenzenden dünnenLinien erfahren. So hat 1457 bei M 61 b die untere Abfchlußlinie, die 30 b ganz fehlt,aber 47b forgfältig ausgebeffert erfcheint, mehrere Einbiegungen erlitten. Aufder folgendenSeite 62 a find die Verbiegungen der Linie vollßändig verfchwunden; die aus biegfamemMetall beßehende Stelle ift grade gerichtet worden. Die gleiche Nachhilfe erkennt man1457 bei B 40 b. Die untere Ornamentlinie zeigt eine leichte Ausbiegung, die von Bl. 88aan verfchwunden ift. Die Ausbiegung der offenbar fchwachen Stelle kehrt übrigens 1459wieder und erfährt wiederholte Nachbefferungen, f. Taf. 27 Initiale B von 1459 und 1490.Ebenfo zeigt 1459 U 121 a Taf. 30 die obere feine Linie des Vierecks abgebogen, währendße auf den folgenden Abdrücken 122 a 123 b u. f. w. wieder nahe an der Initiale her-läuft. Bezeichnend auch die Verlegung der für 1490 neu befchafften Initiale C aufBl. 149 a, an der Ecke oben rechts. Das Ende der rechten Einfaffungslinie zeigt einenßarkenGrat der vielleicht durch Fall oder Schlag aufgetrieben wurde und nun tieferin das Papier einfegt, wie alle anderen Theile der Ornamente. Der Lichtdruck Taf. 27zeigt deutlich den ßharfen Einfag.

Das an den hier bezeichneten Abdrücken beobachtete Verhalten des Verzierungs-Metalles, insbefondere der Vergleich von Abdrücken derfelben Initiale vor und nach der