DIE ZWEIFARBIGEN INITIALEN DER PSALTERDRUCKE.
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bildeten, die am 6. November 1455 Fuft zufielen und deren Beßtj diefen für die einge-klagte enorme Summe von über 2000 Gulden entfchädigen mußte.
Ob bei der durch Fuß und Schöffer am 14. Auguß 1457 abgejchloflenen Drucklegungdes großartigen Werkes Anweifungen Gutenbergs von Einfluß gewefen, muß heutedahingeßellt bleiben. Die einzelnen Exemplare diefes Druckes weifen bekanntlich zahl-reiche Satjvarianten auf, deren Entftehung wahrfcheinlich mit drucktechnifchen Vorgängenzufammenhängt. Es fcheint nicht ausgefchloffen, daß die Erklärung diefer bisher räthfel-haften Erßheinungen u. a. intereßante Auffchlüffe über die Reihenfolge der Abzügefelbft bringen wird. Vielleicht werden wir auch über den Antheil genauer unter-richtet werden, der Schöffer als Drucker und Vollender des Pfalterdruckes von 1457zugewiefen werden muß. (Fuft bleibt als praktifcher Buchdrucker außer Betracht.) Dieoben näher erörterte theilweife vortreffliche Druckleiftung der beiden Ausgaben von1457 und 1459, in der fich eine wohlgefchulte, wenn auch mitunter derbe Praxis kund-giebt, wird im Allgemeinen ohne Zweifel Schöffer zugefprochen werden müßen. Ganzausgefchloffen fcheint mir dagegen, Schöffer mit der Schaffung der Pfaltertypen, insbe-fondere aber der Pfalter-Initialen in Beziehung zu bringen. Die Typenerzeugniffe feinerfaß 46jährigen Thätigkeit bieten nicht ein Beifpiel, das mit einer folchen Leiftung auchnur entfernt in Einklang zu bringen wäre. Keine der wenigen Schöfferfchen Schriftenerreicht die äfthetißh und technifch hohe Stufe der Pfaltertypen. Verzierte Initialen oderDruckornamente kommen, mit wenigen, aber bezeichnenden Ausnahmen, in Schöffersfelbßßändigen Drucken nicht vor. Schablonenhafte, handwerksmäßige Tüchtigkeit ißdas Kennzeichen feiner fpäteren Arbeiten. Die beiden noch durch ihn beforgten Pfalter-drucke von 1490 und 1502 weifen diefen für Schöffers Befähigung fehr bezeichnendenStillßand und Rückgang deutlich auf.
Daß trotj diefer Thatfachen ein evidenter Beweis für die Urheberfchaft nicht geführtwerden kann, ift einzuräumen. Die obigen Darlegungen find jedoch mit guten Gründen,innerer und äußerer Art, belegt. Mit kaum verkennbarer Beßimmtheit führen diefe zudem Schluffe, daß der durch feltfam tragifche Verkettung der Umßände ungenannt ge-bliebene Erfinder und Vollbringer des herrlichen, heute noch unübertroffenen Typen-fcha^es der Pfalterdrucke Niemand anders gewefen fei, als Johann Gutenberg .
HEINRICH WALLAU.
YWefentliche Förderung hat diefe Arbeit erfahren durch das Entgegenkommen der Verwaltungen der König -” liehen Bibliothek in BERLIN, der Großherzoglichen Hof-Bibliothek in DARMSTADT , der HerzoglichenBibliothek in GOTHA, des Buchgewerbe-Mufeums in LEIPZIG , der Königlichen Hof- und Staatsbibliothekin MÜNCHEN, der Stadtbibliotheken in MAINZ und TRIER , fowiederBibliothöque publique inVERSAILLES.Insbefondere wurde eine Reihe photographifdier Aufnahmen in bereitwilligßer Weife vermittelt. Nichtminder iß derVerfaffer für zahlreiche Auskünfte und fachkundigen Rath verpflichtet den Herren L. DELISLE,Administrateur-genöral de la Biblioth. Nationale, Paris, Prof. Dr. H. GEORGES in Gotha , Dr. R. KAUTZSCH,Director des Buchgewerbe-Mufeums in Leipzig, Dr. KEUFFER, Stadtbibliothekar in Trier , H. LÜONARDON,archiviste-paleographe, Conservateur-adjoint de la Bibliothöque publique in Versailles , Dr. NICK, Hof-bibliotheks-Direktor in Darmßadt, Dr. Adolf SCHMIDT, Hofbibliothekar in Darmßadt, Dr. SCHWENKE,Direktor bei der Königl. Bibliothek in Berlin , LE BARON DE TOURTOULON, Dr. iur., Privatdocent an derUniverfität in Laufanne, Prof. Dr. VELKE, Oberbibliothekar der Stadtbibliothek in Mainz . Es iß dem Ver-faffer eine angenehme Pflicht, feinen wärmßen Dank an diefer Stelle zu wiederholen.
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