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HEINRICH WALLAU
Initiale D BI. XXa und an anderen Stellen diefes Pfalters fowohl, wie der Ausgaben von1502 und 1516. Man darf hieraus fchliegen, dag der Druckbogen unmittelbar auf demGewebe aufgelegen hat, mithin die eigentliche „Zurichtung“ fich erg jenfeits diefes Stoff-bezugs befand — eine Anordnung, die fich im wefentlichen bis in unfere Tage erhalten hat.
F affen wir unfere Unterfuchungen in wenig Worte zufammen, fo ergeben pe, dag dieDruckgöcke der zweifarbigen Pfalter-Initialen mittels einer eigenartigen Vorrichtungeine drucktechnifch äugerg fchwierige Aufgabe auf einfache Weife vortrefflich lögen.Diefer Einrichtung in erger Linie verdanken wir die hier befprochenen merkwürdigen,mit Recht viel bewunderten Initialdrucke.
Die zu Beginn diefer Zeilen ausgefprochene Vermuthung über den Urheber dieferInitialdruckgöcke kann im Rahmen diefer Abhandlung nur mit einer zufammenfaffendenErläuterung geftreift werden. Wir betrachten heute die Erfindung unfrer Buchdruckkungals durchaus aus der Metalltechnik hervorgegangen, im Gegenfatj zum Holztafeldruck,der ebenfo wie die oftapatifche Druckkung, mit Gutenbergs Erfindung technifch in keinemZufammenhang geht. Sie tritt uns gleich zu Beginn in den gegoffenen Ablag- und Bibel-typen, befonders aber im Schnitt und Gug der Pfaltertypen und deren Uncial-Verfalienin gaunenerregender Vollendung entgegen. Die fchöpferifche Kraft des Erfinders ig indiefer Steigerung unverkennbar. Völlig ebenbürtig diefer eminenten Leiftungen erweifengeh die mit meigerhafter Beherrfchung des Materials durchgeführten Metallfchnitte derzweifarbigen Initialen. Augerdem befagen ge die hier nachgewiefene Vorrichtung zumzweifarbigen Abdruck, deren Erfindung und Ausführung man einen genialen Zug nichtabfprechen wird.
Den grogartigen Plan und die technifche Vorbereitung des Pfalterdruckes vom Jahre1457 hat man bekanntlich Johann Gutenberg zugefchrieben. Mit Recht wird darauf hin-gewiefen, dag die zwifchen der Trennung Gutenbergs von feinem Gläubiger und Gefell -fchafter Fug bis zur Beendigung des Pfalterdruckes liegende Zeit von etwa zwei Jahrenhöchgens zur Druckausführung der 350 grogen Foliofeiten, ganz unmöglich aber auger-dem zur Befchaffung des hier benutjten, umfangreichen und fehr forgPältig durchgebildetenTypenmaterials hinreiche. Wefentlich begärkt wird diefe Annahme durch die zweifarbigenInitialen. Ganz abgefehen von vortrefflicher Zeichnung und Schnitt, enthalten pe durchLöfung des ebenfo wichtigen wie fchwierigen Problems des genauen „Paffers,“ thatfachlicheine groge technifche Verbefferung des Druckverfahrens. Der durch diefe Druckgöckenunmehr mögliche prachtvolle und höchg exakte Farbendruck bedeutet eine Bereicherungdes technifchen Vermögens der neuen Kung, die den Standpunkt der Bibeldruckewefentlich überholt — fowenig auch die Möglichkeit oder Abficht begehen mochte, eintypographifches Mugerwerk, wie die 42zeilige Bibel technifch zu übertreffen.
Ohne Zweifel aber find unfre Initialen die Schöpfung eines künglerifch, wie auch inder Löfung technigher Schwierigkeiten hervorragend begabten Menfchen, ja man könntein ihrer Hergellung das nach höheren Zielen drängende Streben des echten Erfinder-genius erkennen! Ebenfo zweifellos find diefe in jeder Beziehung mit äugerger Sorgfaltausgeführten Initialfchnitte das Refultat langwieriger Arbeit und Verfuche, für die be-deutende Geldmittel aufzuwenden waren. Auch diefe Erwägung macht es wahrfcheinlich,dag fie nebg dem übrigen kogbaren Typenfcha^ einen Theil der Pfandgegengände