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Festschrift zum fünfhundertjährigen Geburtstage von Johann Gutenberg / im Auftr. d. Stadt Mainz hrsg. von Otto Hartwig
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ARTHUR WYSS

Auf den 15. Juli aber fiel Margaretha in Straßburg , und zwar als festum fori, das heißtals ein nicht nur kirchlich, fondern auch bürgerlich zu haltender Feiertag. Auch in denBistümern Bafel, Chur , Konßanz und Laufanne fiel Margaretha auf den 15. Juli. 22 DerBerechnung der Neumonde in dem fchon angeführten Ulmer Aderlaß- und Arznei-kalenderjohann Zainers von Reutlingen auf das Jahr 1474 liegt für Margaretha ebenfallsder 15. Juli zu Grund.

Zu Straßburg paffen vortrefflich die alemannifchen Anklänge in der im Ganzen un-verkennbar Mainzißhen Sprache. Die Bemerkung beim Juni von den Armengecken,daß fie das elfas brachte in großen [chrecken, hat vielleicht auch eine etwas tiefere Be-deutung: die einer perfönlichen Erinnerung. Daß man den Verfaffer unter den ßädtißhenBürgern oder doch ihren Freunden zu fuchen habe, darauf deuten feine Worte beimNovember (Slachtmant), wo er bei Aufrufung der Reichsßädte fagt, daß man ihnen anihrer Freiheit, Ehre und Gut ohnehin gern Schaden tue.

So die ßunde x hat || betracht ßeht beim Juni; es muß aber ij ßatt x heißen, wie ich[chon weiter oben bemerkt habe. Ein bei der Verßhiedenheit der Typen [chwer erklär-licher Druckfehler, wenn man [ich eineVerwechfelung in der gewöhnlichen Weife denkt.Die Sache liegt aber auch anders: nicht durch Vergreifen im Setjerkaften, fondern durchVerhören entßand der Fehler. Der Text wurde dem Setjer vorgelefen, und diefer ver-band für zwene, was man ihmvorfagte, zene. So kam x in den Text ftatt ij. Der Fall hatfo viel Ueberzeugendes, daß man die Sache als ficher annehmen kann. Man hat alfo hierdas älteße Beifpiel des Anagnoßes, der in der alten Typographie eine Rolle gefpielt hat. 23

Ich habe die zahl ij des urfprünglichen Textes durch zwene wiedergegeben und nichtdurch zwo oder zwei, denn es das Masculinum flege zu ergänzen. Das ergibt ßch aus denWendungen, die bei den andern Monaten gebraucht werden: vmb den eilffte flag (Hornung);zu eime (Meye); noch dem dritte gloc||kenflage (Haumant); dem funfften nahe do by(Herbßmant). flege, vielleicht auch ßunde ift zu ergänzen an folgenden Stellen: So || dieglocke dry gefleget gar (Augft); fo es iiij gefleget (Folmant). Das Wort ur (hora) fürStunde hat der Türkenkalender nicht. 24

Wurde alfo dem Se^er der Text diktiert, fo ift anzunehmen, daß er ihn fprachlich ge-nau fo fetjte, wie er ihn vernahm. Man hat fomit die Sprache des Vorlefers vor ßch;Abweichungen können im Ganzen nur Einzelnes im Konfonantismus betroffen haben.Daneben erßheinen dann noch Schwankungen inAeußerlichkeiten, wiecroneundkröne,turcke undturke und dergleichen, obwohl ein guter Setjer, wie ein tüchtiger Schreiber,auch hierin feßen Normen folgen wird.

Aus dem Diktieren des Satzes erklärt ßch auch leichter ein fonderbares Verfehen, be-ßehend in der Wiederholung eines Verfes, der gerade eine Zeile ausmacht. Italia mitdine mechtigen hn vn ßeten [chließt Blatt 3 r , den Auguß eröffnend; dreht man das Blattum, fo folgt diefelbe Zeile in anderem Sat* nochmals, und diefe Seite (3 V ) hat nicht, wie dieandern, 20, fondern 21 Zeilen. Man hat vermutlich, nachdem jener Vers einmal gefegtwar, eine Paufe gemacht,'etwas über die Hälfte des Penfums war bewältigt denerreichten Punkt im Manufkript nicht genau genug bezeichnet und bei Wiederaufnahmeder Arbeitaus Vergeßlichkeit denVers nochmals diktiert vielleicht einem andernSetjer.Dem Vorlefer, der den Text kannte, ihn vielleicht felbß verfaßt hatte, konnte ein folchesVerfehen am leichteften pafßeren. Aeußere Anzeigen für einen Setjerwechfel habe ich