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ARTHUR WYSS
desZ. l v 5, wo nach der Einleitung die Reihe der Monate beginnt, war es zur Eröffnungder Reime des Hartmandt mit(W)ol nötig; man ließ es durch den Rubrikator einmalen;es ift, abgefehen von dem befonders großen O l r 2 der einzige eingemalte Buchßabeim Türkenkalender. Apprille und Slachtmant werden 2 r i7 und 4 r i3 mit woluff ein-geleitet. Der wintermant 4 V 3 iß der einzige Monat ohne Kapitalbuchßaben. Dazu kommennoch die Versanfänge l r io (widd’) 3 r ie (widd’) 4 v i2 (wie) 4 v i9 (widder). Der Seßer ver-fügte auch über kein ligiertes ch, kein ligiertes de, kein ligiertes ß, kein ß. Das einmalim Inlaut und zweimal im Auslaut auftretende ß iß aus zwei Typen zufammengefeßt, 26deren zweite auch als Kürzungszeichen verwant wird in ‘keißs’ 5 r i = keifers. Vielleichtliegt darin mit ein Grund, daß für ß im Inlaut ff, im Auslaut s bevorzugt wird.
Die 36zeilige Bibel hat kein w; die 42zeilige hat es, aber nur auf den erften Blättern. 27Veranlagung es zu feßen boten in den lateinifchen Bibeln die Wörter ewangelium ewan-gelißa ewangelizare, die nach der gewöhnlichen mittelalterlichen Orthographie fo ge-fchrieben werden und in der Bibel zufammen 99 mal Vorkommen. Im Türkenkalenderßnd 95 w gefeßt. Hat man nicht vorher fchon mehrblätterige deutfehe Texte gedruckt, fowird man kaum fo viele w gleich vorrätig gehabt haben. DasCatholicon (1460) hat, wie dieBibeln, euangelium euangelißa euangelifare; fo weit ich fehe, hat es kein w. Der EltvillerVocabularius Ex quo von 1469 — den von 1467 in Paris kenne ich nicht — hat w unddruckt Ewangelizare Ewangelium Ewangelißa. Er fagt: Euangelium peruerfa nunciacioEwangelium bona nunciacio. Aber W hatte er nicht, denn er druckt: Vuadifare wayreverftayne Vuarandia ßcherunge.
Das z im Türkenkalender iß verfchieden von dem der 36zeiligen Bibel. 28 Gefeßt ßnd46 Stück. Sie fcheinen neu hergeßellt zu fein. Aehnlich mag es mit k ßehen; die Bibelhat es; der Kalender hat 62 Stück in Anfpruch genommen.
Es war in der Schrift des XV. Jahrhunderts und fchon früher üblich, t, wenn es auf coder t folgen follte, zu verlängern. In Uebereinßimmung damit findet ßch in der 36zeiligenBibel die Ligatur ct und im Türkenkalender unverbunden tt. Man hat diefes tt 14 mal:l r 6.8 1 v 15 2 r i3 2 v n 3 r i8 3 v i8.2i 4 r i6 4 v i.6.i7. Das verlängerte t fehlt nach Dziaßko 29 in der36zeiligen Bibel. Für ct war im Türkenkalender keine Verwendung. Von Intereffe iß,daß ct unverbunden auf den zwei erhaltenen Blättern des 27zeiligen Donat vorkommt,der die fpäte Ueberfchrift Heyderßheym und die verdächtige Jahrszahl 1451 trägt. 30Daß das verlängerte t für den Türkenkalender angefchafft worden wäre, iß nach derbei Z und W bemerkten Sparfamkeit nicht anzunehmen.
u wird im Türkenkalender ganz nach dem Brauch der Zeit verwant: es wird im An-laut ßets durch v gegeben, nur bei folgendem w durch u. LeßterenFall hat man in ‘uwer’2 V 3.7. i 2 4 r u ‘uwe’ 4 r i6. v wird gegen den Brauch derZeit durch u gegeben im Praefixver,das immer in der Form ü erßeheint: ‘üfmehe’ l r is ‘üreren’ 2 v m ‘üforget’ 4 r is ‘üfneit’ 5 r i3.‘zuüertribe’ 5 r s dagegen entfpricht dem Ueblichen. Diefes ü hat man in der 36zeiligen undein entfprechendes in der 42zeiligen Bibel häufig; die daneben erfcheinende Verbindungv weiß Dziaßko 31 als äußerß feiten nur an zwei Stellen der 42zeiligen Bibel nach. Man nahmdiefes ü für den Türkenkalender, weil man es hatte. Daß ausnahmsweife als Schreiber-gewohnheit eine folche Behandlung von u und v nebeneinander vorkommt, will ich hieran einer Urkunde des von mir geordneten Landskronifchen Archives zu Naffau dartun.Eine gleichzeitige Abfchrift der Eheberedung zwifchen Johann Sohn zu Elß und Vihe von