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Festschrift zum fünfhundertjährigen Geburtstage von Johann Gutenberg / im Auftr. d. Stadt Mainz hrsg. von Otto Hartwig
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DER TÜRKENKALENDER FÜR 1455.

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Gulpen vom 6. Oktober 1466 hat im Anlaut durchweg v; in Uebereinßimmung damit flehtdasausgefchriebenePraefixverin verforget verüben (2mal) verlayßen. Im Gegenfatjdazuerßheint das gekürzte Praefix ver, mit alleiniger Ausnahme eines einmaligen vhalten,immer als ü, und zwar inüforgen (2mal) ühengen ütedingen (4 mal) üliben üfchribunge.

Wie der Türkenkalender, hat der [chon erwähnte 27zeilige Donat im Anlaut überallv und unterfcheidet {ich dadurch von den beiden Bibeln. 32

Die Nebenform i neben r, die in der 36zeiligen Bibel fehr häufig und namentlich nachobeliebt, 33 wird im Türkenkalender nicht verwant, obwohl der Text 25 mal Ge-legenheit bot, ße nach o zu fetjen. Ebenfo vermißt man t in dem 27zeiligen Donat 34 undim Laxierkalender für 1457, der auch in Bezug auf die Verwendung von v und u derPraxis des Donat folgt und auf den ich noch zurückkomme. So rücken diefe drei Drude-werke eng zufammen. Der Grund ? zu gebrauchen oder zu meiden, beruht fowohl beilateinifchen wie bei deutßhen Texten nur auf Setjergewohnheit, ebenfo wie er bei denUrkunden auf Schreibergewohnheit beruht.

Im Anfchluß an die Zierfchrift der Zeit wählte der Typograph feine Zeichen. So kamer dazu, feine Typen mit kleinen Zierzacken auszuftatten. Dabei ergaben fich aber beiden Minuskeln im Inlaut nicht feiten zu große Abftände der Buchftabenkörper, was nichtgut ausfah. Darum entfehloß er fleh, daneben eine Reihe einfacherer Formen zu fchaffen,die, vornen glatt, an den vorhergehenden Buchftaben fich enger anfchloffen; ich nennefie Anfetjbuchftaben im engern Sinn. Audi hierfür bot die Schrift der Zeit Vorbild undAnleitung. Nicht minder für eine Reihe von Ligaturen, und endlich für ein etwas um-ßändliches Syftem von Buchftaben mit Kürzungen, auch Ligaturen mit Kürzungen, Einfolcher Apparat hatte den Nachteil der Koftfpieligkeit wegen der Maffe von Stempeln,die er vorausfetjt, dagegen den Vorteil der Raumerfparnis und fomit der vermindertenKoßen für Pergament und Papier.

Wenigftens ein Teil der Kürzungszeichen, meint Dziatjko, 35 fcheine beweglich gewefenzu fein. Im Zufammenhang damit muß er annehmen, daß die Typenftöcke der nichtüber die Mittellinie aufragenden kleinen Buchßaben nicht höher gewefen feien als ihreTypenbilder, daß alfo über ihnen Plat? zur Anbringung von Kürzungszeichen gebliebenfei. f und f, fagt er, möchten unter ihren Köpfen nach vornen zu eingefchnitten gewefenfein, um das Einfchieben niederer Buchftaben zu ermöglichen. Er will auch entfprechendekürzere Spieße in der 36zeiligen Bibel bemerkt haben. Sie beweifen nichts, denn fiekönnen auch zwifchen längeren Lettern verwant werden. Im Türkenkalender audiein Spieß ßchtbar, aber ein langer (Bl. 4 r 2o). Ohne bewegliche Kürzungszeichen, meinter, müßten oft zwei Buchftaben mit einem Kürzungszeichen ein Ganzes gebildet habenund es ergebe ßch eine zu große Zahl von Ligaturen. Es war aber fo; das Syftem warumftändlich und die Koßen des Stempelßhneidens müffen erheblich gewefen fein. AlleLettern waren gleich lang genau 8 mm und die Zeilen haben keine Zwißhenfüllung.Ligaturen von zwei, felbft drei Buchftaben mit einem Kürzungszeichen laffen ßch ziemlichviele nachweifen und man wird finden, daß ße gebräuchlichere Buchftabenverbindungender lateinifchen Sprache darßeilen.

Zunächft ein par Beifpiele aus den Tafeln mit Stücken der 36zeiligen Bibel, dieDzia^ko in Gutenbergs Druckerpraxis gegeben hat. Tafel IVb: au. Tafel V: cSt üt f!tr Ts ni. Tafel VIb: ät. Tafel Vllb: et.