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Festschrift zum fünfhundertjährigen Geburtstage von Johann Gutenberg / im Auftr. d. Stadt Mainz hrsg. von Otto Hartwig
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W. VELKE

daß Erzbifchof Adolf ihmettliche formen, buchßaben, inßrument, gezauwe vnd anderszu dem truckwerck gehörende, daß Johann Gutemberg nach ßnem tode gelaißen haitund myn geweft vnd noch, gnediglich folgen layßen hait. Er verpflichtet ßch:weresdaß ich [bliche formen vnd gezuge zu trucken gebruchen worde nu ader hernach, daß ichdaß thun will und fall bynnen der ßat Ment} und nyrgent anderfwoe, deßglichen ob ichfie verkeuffen und myr eyn burger dauor fouil geben wolte, als eyn fromder, fo willund fall ich daß dem ingefefßen burger zu Mentj vor allen fromden gönnen und folgenlayßen. (Schorbach Nr. XXVII.)

Der Bericht über die Sendung des franzöfißhen Münzmeifters Nicolaus Jenfon nachMainz im Jahre 1458 zur Erlernung der neuen Kunß kommt für unfere Frage nicht weiterin Betracht. 2 Dagegen möchte ich hier noch die, wie wir fpäter fehen werden, gleichzeitigeNachricht aus einer Mainzer Chronik 3 zum Jahre 1462 anführen:Es ließ auch Dietrichvon Ifenburg ein offen brieff abgehen, darin er (ich feiner abfezung halben als unrecht-meffig verthedigt, undt wurden viel Exemplar getrukt von dem erßen Buchtrucker zuMeincz Johann Guttenbergk. Schließlich mag aus dem Briefe Fichets vom 1. Januar1472, einem allgemein als wichtig und zuverläfßg anerkannten frühen Zeugniß über dieErfindung der Buchdruckerkunß 4 auf eine Stelle hier hingewiefen werden, wo gefagtwird, daß nicht weit von der Stadt Mainz (haut procul a civitate Maguncia) ein gewifferJohannes Gutenberg gelebt habe, der die Buchdruckerkunß erfunden habe.

Das find die wenigen Nachrichten, die von Gutenbergs fpäteren Lebensjahren unsKenntniß geben. Für feine Thätigkeit als Drucker als einziges ausdrückliches Zeugnißder Revers Humerys von befonderer Wichtigkeit. In Gutenbergs Nachlaß fanden ßchTypen und Druckgeräthe vor, die Humerys Eigenthum waren. Diefe Typen und Druck-werkzeuge aber, welche Humery als ihm gehörig von Erzbifchof Adolf nach dem TodeGutenbergs ausgeliefert erhält, werden allgemein für diejenigen gehalten, mit denendiefer im Jahre 1460 das durch feine Schlußfchrift berühmte Catholicon und andere kleinereSchriften gedruckt hat.

Die jetjige Anßcht läßt ßch dahin zufammenfaffen: Als Gutenberg feinen Druckapparatverloren hatte und mittellos daftand, fand er einen Nachfolger desjohann Fuft als Geld-leiher in dem Doktor der geiftlichen Rechte und Syndikus der Stadt Mainz KonradHumery, der ihm das Geld für ein neues Druckgeräth zur Verfügung ßellte. Mit diefemvorgefchoflenen Gelde errichtete Gutenberg eine neue Druckerei, der Druckapparat warHumery verpfändet. In diefer wurden das Catholicon, eine beliebte grammatifch-lexi-kalifche Kompilation, fowie mehrere kleinere Schriften gedruckt. Das Catholicon ift einFolioband von 373 Blättern, mit kleinen Lettern in zwei Kolumnen von je 66 Zeilen ge-druckt. In der Schlußfchrift wird Mainz als Druckort, aber nicht der Drucker genannt.Der von Humery vorgefchoffene Betrag müßte ein für die damalige Zeit recht anfehn-licher gewefen fein, nicht viel geringer als die von Fuß für die Herßellung feines erftentypographifchen Apparates Gutenberg geliehene Summe von 800 Gulden. Humery iftein rückßchtsvoller Gläubiger, er erinnert ßch an fein Eigenthum erft nach Gutenbergs Tode und erhält erft damals vom Erzbifchof Adolf den ihm verpfändeten Druckapparat fürdas Catholicon zurück. Mit denfelben Catholicon-Typen drucken aber 1467 in Eltville dieBrüder Bechtermünze die erfte Auflage ihres Vocabularius ex quo und nennen ßch aus-