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Festschrift zum fünfhundertjährigen Geburtstage von Johann Gutenberg / im Auftr. d. Stadt Mainz hrsg. von Otto Hartwig
Entstehung
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ZUR FRÜHESTEN VERBREITUNG DER DRUCKKUNST.

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ein mannhaftes Schreiben an Fürßen und Städte gegen die päpßlichen Bullen, um feineSache ftand es aber fchlimm, am 2. Oktober wurde Adolf von Naßau feierlich als Erzbijchofeingefeßt. Jeßt galt es, die zu Gunßen Adolfs erlaffenen Ausfdireiben und Bullenmöglichft weit zu verbreiten, und dazu wurde die neue Kunft in ausgiebigerWeife benußt.Die kurze kaiferliche Verordnung erßhien in der größeren Clemens-Type, für die zumTheil umfangreicheren Bullen wurde die kleinere Durandus-Type verwendet. DiefeLettern waren Eigenthum der Fuß-Schöffer(chen Offizin, aus ihr find alfo diefe Druckeficher hervorgegangen. Sämmtliche für Adolf bisher erfchienenen Schriften wurden imDrude verbreitet, man fchwelgte faß in der Benußung der Druckerfchwärze; auch dieunwichtigen und ihrem Inhalt nach faft gleichen Bullen an das Mainzer Kapitel und nocheinmal an die Kapitelherren,. Pröpße etc. find gedruckt worden. In aller Muße konntendie Drucke angefertigt werden, die Provifionsbulle für Adolf fogar in zwei ver-(chiedenen Abzügen erßhienen, fämmtliche Bullen wurden durch den Notar Stube be-glaubigt. Die Ausfehreiben Diethers, der bis Anfang Oktober in Mainz weilte, find da-gegen nicht gedruckt worden.Weßhalb haben Fuft und Schöffer , wenn fie, wie angenommenwird, nur ihr Gefchäft im Auge hatten, nicht auch diefe gedruckt? Und weßhalb wurdeGutenberg, wenn er in Mainz war, dort eine Druckerei befaß und der Partei Adolfsangehörte, wie man bisher gemeint hat, nicht mit der Anfertigung diefer Druckarbeitenfür die päpftliche Partei beauftragt?

Diethers Sache (chien verloren, er war entßhloffen, feinen Anfprüchen auf das Erzbis-thum zu entfagen. Dann verbündete Pfalzgraf Friedrich ßch mit ihm, der Kampf gegenAdolf wurde im Erzftift aufgenommen. In Folge des Weinheimer Bündniffes fandDiether auch in der Stadt Mainz wieder Anhang. Am 2. Dezember 1461 gingen Rathund Bürgerßhaft einen Vertrag mit Diether und feinen Verbündeten ein; die Haltungder Stadt war und blieb aber eine ängftliche und wankelmüthige. Man wollte es mit demNaßauer nicht verderben. Die päpftlichen Bullen hatten gewirkt bei der Bevölkerung,die Partei deffen von Naffau oder deren, welche ßch der päpftlichen Heiligkeit undkaiferlichen Majeftät gehorfam zu erzeigen bewilliget, war nicht gering. Noch zu Endedes Jahres 1461 entbrannte die Fehde, die faß ein Jahr hindurch die rheinifchen Gegendenverwüftete. Diether griff das naffauifche Gebiet an, Kurfürft Friedrich den Rheingau.Zur Kriegserklärung an Adolf war die Stadt jedoch nicht zu bewegen, Rath und Bürger-fchaft wollten den Krieg aus der Nähe von Mainz fernhalten, aber auch für Adolf ent-fchieden Partei zu nehmen weigerten ße ßch. Der Verlauf der Fehde felbft hat fürunferen Zweck kein weiteres Intereffe. Daneben wurden zahlreiche Streitßhriften ver-breitet. Papß Pius bedrohte in der Bulle vom 8. Januar 1462 Diether und feine An-hänger aufs äußerfte,ein krankes Vieh und eine peftilentialißhe Beßie nennt er ihn;bei Strafe des Bannes wurde ihm geboten, an Erzbifchof Adolf das Erzftift zu übergebenund den ihm zugefügten Schaden zu erfeßen. Diefe Bulle follte an den Domkirchender Erzdiöcefe angefchlagen werden; gedruckt ße aber nicht worden. Am 1. Februarwurde dann der Bann gegen Diether ausgefprochen; auch die päpftlichen Legaten, diein Coblenz ihren Sit? genommen hatten, waren durch Wort und Schrift gegen Dietherthätig. Im Druck ift davon jedoch auch nichts erfchienen.

Jeßt war es für Diethers Partei, als deren Vorkämpfer Dr. Humery in der ganzen Fehdeerßheint, von größterWichtigkeit, mit denfelben litterarifchen Waffen den Angriffen des

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