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W. VELKE
Papßes nachdrücklich zu begegnen. Es erfchien, mit Hilfe der Druckerprefle, vom30. März aus Höchß datirt, das Manifeß Diethers, der erße gedruckte Akt der Diplo-matie, nach den päpßlichen Bullen des vorigen Jahres zum erßen Mal wieder eine imDrude erfchienene Streitfchrift.
„Es ließ auch Dietrich von Ifenburg ein offen brieff abgehen . . . und wurden vielExemplar getrukt von dem erften Buchtrucker zu Meincz Johann Guttenbergk.“
In diefer fchon oben angeführten Stelle einer Mainzer Chronik über die Jahre 1459bis 1484 wird Gutenberg als Drucker des Dietherjchen Manifeftes ausdrücklich bezeichnet.Nur aus typologifchen Gründen, weil die Fuß-Schöfferfche Durandus-Type, mit der dieBullen gedruckt worden find, auch für das Manifeß verwendet worden ift, hat man dieNachricht für eine irrthümliche halten zu müffen geglaubt; „ein Mainzer des 16. Jahr-hunderts vermochte felbßverßändlich die Catholicon- von den Duranditypen nicht zuunterjeheiden,“ meint v. d. Linde, 50 der im Uebrigen anerkennt, daß die Chronik inihren Hauptbeßandtheilen durchaus den Eindruck einer gleichzeitigen Erzählung macht.Eine Unterjcheidung der Typen lag dem Chronißen felbßverßändlich ganz fern, er bringtdie Nachricht aber in fo beftimmter und charakteriftifcher Weife, daß wir an ßch keinenGrund haben, ihre Richtigkeit zu bezweifeln. Audi Lehmanns Speyrifche Chronik 51fchreibt den Druck diefer „öffentlichen Schrifft“ dem erßen Buchdrucker zu Mainz zu.Aus den verwendeten Typen allein glaubt man auf die Unrichtigkeit der Ueberlieferungfchließen zu füllen, an ßch iß die Nachricht in dem ganzen Zufammenhang durchausunverdächtig. Die fpäter allerdings überarbeitete Mainzer Chronik iß in dem Theil,welcher hier in Betracht kommt, auch nach Hegels Urtheil ausführlich und genau, ßebringt die Aufzeichnungen eines mitlebenden Mainzers, der dem Ifenburger bei feinemAngriff gegen den Rheingau folgte. Weßhalb foll nun gerade diefe Stelle über denDrucker des Manifeftes nicht gleichzeitig fein? Hätte der fpätere Bearbeiter der Chro-nik als eine befonders wichtige Bemerkung hinzufügen wollen, daß die Erfindung derBuchdruckerkunß in Mainz von Gutenberg gemacht worden fei, fo würde er diefeNotiz wohl nicht mit einem an ßch fo unfeheinbaren Druckerzeugniß in Zufammenhanggebracht haben. An die Bibeln, die Pfalter-Auflagen und andere Drucke hätte docheine folche Nachricht eher anßhließen müffen. Nur beiläufig wird Gutenberg erwähnt,die Hauptfache war die Mittheilung des Manifeftes, deffen Erfcheinen im Druck einen ganzbefonderen Eindruck gemacht haben muß. Die Bullen waren ja auch im Druck verbreitetworden, aber nur das zum erften Malein deutßher Sprache erßhienene Manifeßwird hiererwähnt und daran die Bemerkung über deffen Drucker geknüpft. Die Notiz trägtden Charakter einer gleichzeitigen, ungefuchten, durchaus zuverläfßgen Nachricht, dienach allen Regeln der hißorifchen Kritik als glaubwürdig zu betrachten und nichtkurzer Hand abzulehnen iß, weil ße mit der hergebrachten Anfchauung nicht im Ein-klang zu ftehen fcheint.
Das Manifeß, aus Höchß datirt und von Mainz aus verfchickt, erregte großes Auffehen;plötzlich war es erfchienen, Adolf und feine Anhänger waren aufs äußerfte davon über-rafcht. Adolf eilt aus dem nördlichen Theile des Erzftifts, vom Eichsfelde, zurück, erfchreibt am 13. April nach Frankfurt: „uns hait in lanntmanß wyfe angelangt, wie dervon Ifenburg etjlich brief bie uch zu Frankfurt follen angeflagen laffen haben“ und er-