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Festschrift zum fünfhundertjährigen Geburtstage von Johann Gutenberg / im Auftr. d. Stadt Mainz hrsg. von Otto Hartwig
Entstehung
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ZUR FRÜHESTEN VERBREITUNG DER DRUCKKUNST.

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bittet {ich von dort ein Exemplar der Druckßhrift. 52 Ulrich Graf zu Württemberg i(i ent-rüßet, 63 daß Mainz früher mit Worten und Werken Adolf angehangen habe,jetjt Hilff,Byßand undZufchub derGegenpartei erweife.MitWorten kann {ich nur darauf beziehen,daß in Mainz die Bullen und des Kaifers Brief früher für Adolf gedruckt worden feien,je^t aber auch Diethers Sache durch dieVerbreitung eines gedruckten Manifeßes unterßütjtwerde. Die päpßlichen Nuntien erließen eine ausführliche Vertheidigungsfchrift gegendiefes Manifeß, 54 gedruckt diefe aber nicht worden, wie überhaupt die zahlreichenStreitßhriftender Folgezeit wieder nicht im Druck erßhienen find. Eine befondere Gelegen-heit war es, die dies eine Mal eine Drucklegung ermöglichte. Auch fehr eilig war der Druckdes Manifeftes vor (Ich gegangen, wie die Druckfehler, Wortauslaßungen u. a., dann dierafche Verfendung beweifen.

Alle diefe, zumTheil recht verwickelten Fragen können hier nur angedeutet werden, ihreeingehende Behandlung wird an anderer Stelle erfolgen. Wer hatte das größte Intereffedaran, daß Diethers Vertheidigungsfchrift die weiteße Verbreitung fand, und zwar in derForm und in denfelben Typen, wie bei Beginn der Fehde die päpßlichen Ausfehreibengegen Diether veröffentlicht worden waren? In erfter Linie doch gewiß der Staatsmann,der als Führer und Seele der Partei Diethers in dem ganzen Streit erfcheint, der mit allenMitteln für feinen Herrn kämpfte, der leidenfchaftliche Politiker, der in Frankfurt dieKanzel benutjen wollte, 55 um für Diethers Sache zu wirken. Das ift der uns bereits be-kannte Dr. Humery, der wider die päpßlichen Bullen proteftirt und Diethers Verthei-digungsfchrift vom Oktober 1461 verfaßt hat. Auch diefes wichtige Manifeft, das einganzes Programm enthält und von hoher ftaatsmännifcher Klugheit zeugt, kann nur vonHumery abgefaßt worden fein. Diethers Sache ftand im Frühjahr 1462 günftiger, jet 3 t wares Zeit, den päpßlichen Angriffen mit einer Gegenfchrift zu begegnen. Fuft und Schöffer jedoch hielten (ich neutral und druckten für keine der beiden Parteien mehr, aber einanderer Drucker war noch da, Johannes Gutenberg . Um es kurz zu fagen: ich nehmean, daß Humery einen Satj Typen, wie er für den Druck des Manifeftes ungefähr aus-reichte, und zwar von derfelben Durandus-Type, mit der die Bullen gedruckt wordenwaren, von Fuft und Schöffer erworben und Gutenberg übergeben hat, der damitDiethers Manifeft druckte fowie deffen Brief an den Papft.

Auf den erßen Blick mag diefe Anficht befremden, berückßchtigen wir aber diegefammte Sachlage, fo laßen ßch die uns überlieferte Nachricht, daß Gutenberg dasManifeft gedruckt habe, und der Revers Humerys über zurückempfangeneettlicheBuchftaben nur in diefer Weife ohne Zwang vereinigen.

Gleichzeitig mit dem deutfehen Manifeft Diethers erfchien fein Brief an den Papft inlateinifcher Sprache im Druck. Molsdorf hat bereits nachgewiefen, 56 daßdiefe Botfchaft, diekeinDatum trägt,nur kurze Zeit nach dem Manifeft abgefaßt fein könne; gedrucktworden feißeabererftfpäter, wahrfcheinlich im September 1462. Weßhalbße im Frühjahr in Beziehungaufdie damaligenVerhältniße verfaßt und im Herbft erft in diefer Form im Druck erßhienenfein foll, ift nicht verftändlich. Seinem ganzen Inhalt nach bildet der für die Geiftlichkeitbeftimmte Brief an den Papß eine Ergänzung der deutfehen Rechtfertigungsfchrift, beidemüffen gleichzeitig abgefaßt und zu derfelben Zeit auch gedruckt worden fein. Dem kaifer-lichen deutfehen Brief und den lateinifchen Bullen des Papftes follten Gegenfchriften