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Festschrift zum fünfhundertjährigen Geburtstage von Johann Gutenberg / im Auftr. d. Stadt Mainz hrsg. von Otto Hartwig
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W. VELKE

geboten werden. Welchen Zweck hätte es für Diether gehabt, diefe Botfchaft, in der er(ich über feine längft gegheheneAbfetjung beghwert, zu feiner Reefitfertigung im Herbgnoch zu verbreiten und dazu befonders drucken zu laffen? Dag fie nach Frankfurt erg imOktober 1462 gefchickt wurde, lag daran, dag dort die Erregung damals einen bedroh-lichen Charakter angenommen hatte; die päpftlichen Legaten wurden erwartet, undDiether wollte auf die Geiglichkeit, die dem päpftlichen Gebote folgfam war, zu feinenGiinften einwirken. 57 Gedruckt worden ift der Brief ebenfo eilig und in derfelben Werk-ftätte wie das deutfehe Manifeft; beide haben auch dasfelbe Wafferzeichen des Papiers,einen Ochfenkopf, der auf den Fuft-Schöfferfchen Drucken der Streitgfiriften mit derKrone wechfelt; der Drucker der beiden Diethergfien Schriften hatte alfo nur diefeeine Sorte Papier mit dem übrigen Druckmaterial erhalten.

Fug und Schöffer haben nach den aus ihrer Offizin hervorgegangenen Bullen, wie wirgefehen haben, von den zahlreichen Streitgfiriften keine mehr gedruckt; ihre Typen findes aber, mit denen das Manifeft und die Botfchaft Diethers hergeftellt find, und daserftere wird ausdrücklich als Gutenbergifcher Druck bezeichnet. Typen aus ihrem Vor-rath müffen fie alfo auf alle Fälle abgegeben haben, und mit diefen hat Gutenberg danngedruckt. Das konnten ge ohne Bedenken und unbefchadet ihrer neutralen Haltung,zumal die Sache Diethers damals günftiger ftand. Sie überliegen Humeryfo viel von ihrerDurandus -Type mit dem dazu gehörigen Druckgeräth, wie zur Herftellung einesumfangreicheren Einblattdruckes etwa nöthig ergfiien; dabei wurden aber ver-fchiedene Abkürzungszeichen und andere Kleinigkeiten in der Eile vergeben, die inden Bullen regelmägig verwendet worden find, in der lateinifchen Botfchaft Diethersaber nicht Vorkommen und auch nicht in dem Manifeft, foweit der deutfehe Text indiefer Beziehung geh mit dem lateinifchen Satje vergleichen lägt. Es fehlen u. a. dieZeichen für die paffiven Endungen auf ur (cenfeantur), ebenfo kommt z. B. die fonggewöhnliche Form für con - o - in beiden Dietherfchen Drucken nicht vor, obwohldazu auch der deutfehe Text Gelegenheit geboten hätte. Diefe Unterfuchung kannhier nicht ausgeführt werden, auf alle Fälle ift die Verfchiedenheit des Satjes inden beiden Gruppen diefer Drucke trotj derfelben Type in Einzelheiten eine folche, dagge durch die Annahme verfchiedener Seger derfelben Druckerei nicht erklärt werden

kann; die Dietherfchen Schriften find anderswo gedruckt worden.

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Hätten Fuft und Schöffer das Manifeft Diethers gedruckt oder wäre dies von Guten-berg in Mainz geghehen, fo würde auch der Name des Druckers in dem Verzeichnig auf-geführt fein, das über 300 Namen von Diethers Anhängern enthält. Im Juni 1462 wirdin einem langen Schriftftück,gegeben in Coblenz in domo Nicolai de Cufa, von denpäpftlichen Legaten über die Anhänger Diethers der Bann verhängt. Eine groge Anzahlvon Namen wird darin aufgeführt, darunter Conrad Humery, Ulrich Helmasperger,Johannes Numeifter und andere . 58 Gegen die Annahme, dag Gutenberg das Manifeft ge-druckt habe, könnte nur geltend gemacht werden,dag er Anhänger Adolfs gewefen und vondiefem zur Belohnung für ihm erwiefene Dienftean feinen Hof aufgenommen worden fei.Doch wir wiffen überGutenbergs politifcheStellung nichts, ebenfo wenig,weghalb Adolf fichfeiner angenommen hat. Eine Belohnung für Verdienfte um feine Sache während derBifchofsfehde würde Adolf nicht erg im Jahre 1465 ertheilt haben, und Vergüngigungen