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Festschrift zum fünfhundertjährigen Geburtstage von Johann Gutenberg / im Auftr. d. Stadt Mainz hrsg. von Otto Hartwig
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W. VELKE

II. ZUR AUSWANDERUNG DER DRUCKER AUS MAINZ .

In der Nacht vom 28. Oktober 1462 wurde Mainz von AdolF von Naffau erobert, dieStadt verlor ihre wichtigen Freiheitsprivilegien. Ein Theil der vermögenden Bürgerklaffehatte fchon vorher bei Aufrichtung des Handwerkerregimentes die Stadt verlaßen, derWohlftand hatte fchwere Einbuße erlitten, jet}t wurden auch noch viele Bürger mit ihremAnhang aus der Stadt vertrieben. Handel und Gewerbe lagen darnieder; auch für dieJünger der neuen Kunft fehlte es an Befchäftigung, fie wanderten aus und verbreitetenden Ruhm der deutfchen Erfindung in fremde Lande. Fußs Druckhaus war, wie nochvielfach angenommen wird, bei der Eroberung der Stadt allerdings nicht in Flammenaufgegangen, wenn man das Haus zum Humbrecht mit Recht als folches anßeht, auchwaren die Drucker in ihrer Stellung wohl kaum politifch hervorgetreten, fo daß fie nunvertrieben worden wären. Die Zahl der damals in Mainz befchäftigten Drucker dürfenwir uns nicht fo groß vorftellen, wie esmeiftens gefchieht; fie find auch nichtausgeftrömtnach allen Richtungen, fondern nach und nach fortgezogen, und feiten wird einer vonihnen eine beßimmte Stadt als Ziel feiner neuen Thätigkeit von vornherein auserfehenhaben. Sie hatten durchweg nicht die Mittel, um eine eigene Druckerei in einer anderenStadt auf ihre Koßen einzurichten, fie verfuchten ihr Glück an verfchiedenen Orten,bis ße durch die Gewinnung eines vermögenden Geßhäfsgenoffen oder durch die Unter-ßütjung von Körperfchaften (Univerfitäten, Klöfter u. a.) einen feften Sit} für die Errichtungeiner Druckerei fanden. Manche von den Druckern, die fleh auswärts als Mainzer be-zeichnen, find auch erß fpäter nach Mainz gekommen und nur vorübergehend an derErfindungsßätte der neuen Kunft thätig gewefen, um im Ausland ihrem NamendeMoguntia oder eine ähnliche Bezeichnung beifügen zu können. Nach dem Jahr 1462find von fpäter auswärts thätigen Druckern in Mainz nachweisbar, ohne daß ich hier näherauf die noch nicht im Einzelnen hinreichend geklärten Verhältniffe eingehen kann:Johann Numeifter, Heinrich Keffer, Johann von Köln, Peter de Spira (Peter Drach ?),Johann von Steyn?, Remboldt, Johann Renner, Hans von Koblenz, Hans Reinhard, ClasWolff. Für die zweifellos in Mainz ausgebildeten und fchon früher ausgewandertenDrucker Albrecht Pfifter und Johann Mentel hat fich neues urkundliches Material bis-her hier nicht gefunden, auch nicht für Ulrich Zell , dagegen kann ich jetst durch neuaufgefundene Urkunden der Mainzer Stadtbibliothek andere, weniger wichtigeFunde übergehe ich hier nachweifen, daß die erßen deutfchen Drucker in Italien ,Johann von Speyer in Venedig und Konrad Sweynheim in Rom , ihre Kunß thatfächlichin Mainz gelernt haben. Vermuthet worden ift das [chon immer, der urkundliche Be-leg, den ich an diefer Stelle nur mehr als Fundnotiz anführen kann, hatte bis jetjtaber gefehlt.

Fürjohann von Speyer verweife ich der Kürze halber auf die AllgemeineDeutfcheBiographie, XIV S. 472 ff. Mit feinem Bruder Wendelin hatte er 1469 in Venedig dieerße Druckerei errichtet; er ift [chon im folgenden Jahr geßorben, hat aber in derkurzen Zeit eine reiche Thätigkeit entfaltet und verßhiedene Verbefferungen im Buch-druck eingeführt. Er war mit Frau und Kindern nach Venedig gekommen, wie es fcheintim vorgerückten Alter. Sein Bruder Wendelin ift in Mainz nicht nachweisbar, wahr-fcheinlich iftjohann nach der Kataßrophe von 1462 aus Mainz nach Speier , feiner Heimaths-ßadt, zurückgekehrt und hat von dort feinen Bruder nach Venedig mitgenommen. In