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Festschrift zum fünfhundertjährigen Geburtstage von Johann Gutenberg / im Auftr. d. Stadt Mainz hrsg. von Otto Hartwig
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ZUR FRÜHESTEN VERBREITUNG DER DRUCKKUNST.

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Speier felbß hat er die Kunß nicht in der Zwifchenzeit ausgeübt. Offenbar war er wohl-habend genug, um für feine Niederlaffung die Stadt Venedig als beßimmtes Ziel wählenzu können. In Mainz er Goldfehmied, als folcher kommt er als Zeuge vor in einerUrkunde vom 14. November 1460 bezw. 26. Januar 1461, worin es heißt: da by was ClasGotj vnd Hans von fpyre die goltfmyde.

Der hier und noch in einer anderen Urkunde von 1461 gleichfalls als Zeuge genannteClas Got? (Gotje) dergoltfmedtiß derfpäter 147478 in Köln als Drucker thätige Nico-la u s G ö tj von Schlettßadt (vgl. O. Zaretjky in P. Heitj, Die Kölner Büchermarken, 1898,S. XVI f). Er (ludierte in Köln 1470 Jurisprudenz, errichtete dann eine Druckerei dafelbß,befaß aber nicht die Mittel für größere Verlagsunternehmen. Herr Direktorialajfißent Dr.L. Kaemmerer in Berlin hat mich gütigß darauf aufmerkfam gemacht, daß in der Dom-bibliothek zu Colberg in einem dem Götjifchen Druck von Rolevincks Fasciculus tem-porum (Köln 1478) angebundenen Inkunabelfragment das handßhriftliche, etwa aus demAnfang des 16. Jahrhunderts herrührende Kolophon fich findet: impreffum Moguntiae1478 per Nicolaum Goetj de Selzftadt, und meint, daß fich darin eine alte Tradition voneinem Aufenthalt Götjens in Mainz möglicherweife erhalten habe. Diefe Vermuthungwird jetjt durch den Nachweis, daß Götj wirklich in Mainz gelebt hat, betätigt. Johann vonSpeyer und Nicolaus Götj werden als Goldjchmiede genannt, ein neuer Beweis dafür, daßvon der Befchäftigung mit Metallarbeiten, nicht von der Holzfchneidekunß, die Druck -kunft überhaupt ausgegangen.

Als erße Buchdrucker hatten Arnold Pannartj und fein Genoffe Conrad Sweyn'-h e i m, aus Schwanheim bei Frankfurt a. M., die Kunft Gutenbergs über die Alpen gebrachtund 1464,berufen von demKardinalJohannTurrecremata,in dem einfamen Kloßer Subiacoeine Buchdruckerei eingerichtet, die ße 1467 nach Rom verlegten. (Näheres darüber bringtdie nachfolgende Abhandlung von Marzi). Trot} ihres außerordentlichen Fleißes hatten ßekeinen geßhäftlichen Erfolg; ihr Freund und Gönner Johann Andreas Buffi, Bifchof vonAleria, wandte fich deshalb für ße am 20. März 1472 an den Papß Sixtus IV. mit derBitte, den deutfehen Druckern in ihrer bedrängten Lage zu helfen. Allgemein war bisvor Kurzem die Meinung verbreitet, daß der Brief Bufßs ihnen nicht aus der Noth ge-holfen habe und eine Antwort von Seiten des Papßes überhaupt nicht darauf erfolgt fei;felbft auf einen Gegenfat} der Kirche gegen die neue Kunß hat man daraus fchließen wollen.Aus dem im Jahre 1893 dem vatikanifchen Archiv einverleibten Supplikenregißern hatdann Jof. Schlecht in der Feftfchriftzum 1100jährigen Jubiläum des deutfehen Campo Santoin Rom, 1897 (S. 207211: Sixtus IV. und die deutfehen Drucker in Rom) nachgewiefen,daß die von den beiden Druckern auch noch felbß eingereichte Bittfchrift, in der ße umVerleihung einer kirchlichen Pfründe nachfuchen, in Form einer Exfpectanz bewilligtworden. Ob ße einen Erfolg mit diefer Anweifung gehabt hatten, war aber bisherzweifelhaft geblieben. Für Sweynheim kann ich jetjt den Nachweis führen, daß diepäpftliche Gnadenerweifung nicht nutjlos gewefen: er hat eine Präbende im St.Victor-ßift bei Mainz, von deffen weltlicher Bruderfchaft Gutenberg Mitglied gewefen war, er-halten. S. 191 der Chronik diefes Stiftes (Handfchrift der Mainzer Stadtbibliothek,Man. hiß. 36) findet fich als Inhaber der Praebenda decima St. Mauritii Martyriseingetragen: Conradus Schweynheim 1474 29. Jan. admiffus, 1477 obiit. Wir er-fahren nunmehr auch, was bisher zweifelhaft war, daß er 1477 geßorben, können aber