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Das Geldwesen Spaniens seit dem Jahre 1772 / Fritz Rühe
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II. DIE WÄHRUNGSÄNDERUNGEN DER JAHRE 1848-1868.

habe man notwendiger Weise mit fremden Silbermünzen füllen.

müssen."

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Man hänge im Geldwesen schändlicherweise vom Aus-lande ab, das Spanien mit seinen abgenutzten Münzen über-schwemme. So zirkulierten Geldstücke mit Bildnissen und Namenvieler anderer Monarchen gegen die wörtliche Vorschrift des§ 7 Art. 45 der Verfassung von 1845.1) Dieser besagte, daß esdem König zukomme, für die Herstellung von Geld zu sorgen,auf das er sein Brustbild und seinen Namen prägen lassen solle."Wiewohl die Regierung den Einzug der unterwertigenSilber- Napoleons, die das Gros der ausländischen Münzen dar-stellten, sehr beklagte, so konnte sie sich nicht verhehlen, daßsie, nachdem einmal spanische vollwertige Silbermünzen ausder Zirkulation verschwunden waren, notwendig, ja vorteilhaftwaren, um die Wechselkurse mit den Silberländern aufrecht zuerhalten. Infolgedessen wollte sie die unter ungeheuren Opfernherbeigezogenen französischen Silbermünzen entgegen den an-fangs aufgetauchten Projekten der Jahre 1834 und 1842 auchnicht außer Kurs setzen.

Andererseits glaubte der spanische Staat, er könne, wenner eine richtige Relation des Ankaufs und der Ausmünzungbeider Metalle wähle, mit seinen eigenen Silbermünzen besserdie Währung aufrechterhalten, ohne in der Geldbeschaffung voneinem fremden Staate abhängig zu sein.

Das dritte Motiv zur Währungsänderung entsprach dendamaligen metallistischen Anschauungen der spanischen Münz-verwaltung vollkommen.

Im Exposé des Gesetzes hieß es wörtlich: Der andereFehler unseres gegenwärtigen Münzsystems ist der, daß derGehalt der Münzen nicht proportional ist, so daß ihr Metallwertnicht mit dem Nominalwert übereinstimmt. Die Peseta ist nicht

1) Die erste spanische Verfassungsurkunde vom Jahre 1812 enthieltim Artikel 171 den Satz: ,, Der König soll für Herstellung von Münzensorgen, die im Gepräge sein Brustbild und seinen Namen zeigen sollen."Dieser Satz wurde in alle späteren Verfassungsgesetze Spaniens auf-genommen.