§ 8. DIE WIEDERHERSTELLUNG DER FREIEN GOLDPRÄGUNG. 123
and All' die angeführten Erscheinungen riefen den Abfluß vonSilbergeld und starken Zufluß von Goldgeld hervor. Eine Er-setzung des Silbergeldes in den Staatskassen durch Goldgeldwar die Folge. Wie sollten sie nun weiter in Silber zahlen,wenn ihnen immer nur Gold zufloẞ?
Gold staute sich in den öffentlichen Kassen und kam durchObstruktion zu Anfang des Jahres 1861 in valutarische Stellung.
Eine weitere Aufrechterhaltung der Silber- Valuta hättevorausgesetzt, daß dem Staate Silbergeld in unbeschränktemMaßstabe bei seinen Zahlungen zur Verfügung stand. Zu größerenSilberprägungen war jedoch der finanziell geschwächte und seitdem Jahre 1850 stets mit einem Defizit wirtschaftende Staatnicht bereit. Silber- Anleihen hätte er auch nur unter denschwersten Bedingungen aufnehmen können.
Privatleute brachten aber auch in der Zeit von 1859-1861Silber nur noch in ganz geringem Umfang zur Ausmünzung,wiewohl im Lande selbst in dieser Zeit jährlich etwa 56 000 kg¹)produziert wurden.
1859-1861 wurden zehnmal so viel Werteinheiten inGoldgeld als in Silbergeld hergestellt, 809 Millionen RealenGoldgeld, 81 Millionen Realen Silbergeld.
Die großen Bestände, welche einst das Schatzamt und dieBank von Spanien namentlich an Silber- Napoleons gehabt hatten,erschöpften sich durch den ständigen Bezug der Privatleutefast ganz, da neue Zuflüsse an Silbermünzen nicht stattfanden.Schon im Jahre 1859 zog daher die Bank von Spanien , demBeispiel der Bank von Frankreich folgend, Goldbarren aus dem
1) Über die damals in Spanien gewonnenen Silberquanten lautendie Schätzungen diverser Schriftsteller sehr verschieden. Die von mirbenutzte Angabe der General- Direktion der Münzen und Minen scheintaber am zuverlässigsten zu sein. E. Levasseur( La question d'or. Lesmines de Californie et d'Australie; les anciennes mines d'or et d'argentetc. Paris 1858) ist derselben Ansicht und bemerkt, daß die Silberge-winnung in Spanien seit 1845 einen großen Aufschwung genommen habeinfolge der bei Alicante entdeckten Minen von silberhaltigem Blei undauf ca. 56 000 kg jährlich gestiegen sei.