§ 9. DIE REGELLOSIGKEIT IM GELDWESEN VON 1864-1868.
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so daß nur das exakte Vielfache davon bei zentrischen Zahlungensaldiert werden konnte. Da man aber genaue Reduktionstabellenaufzustellen unterließ, wurde der Zahlungsverkehr bei den un-endlich vielen kleinen Zahlungen( wie Brücken- und Wegezoll,Postmarkenhandel, Tabakpachten und Lotteriezahlungen) sehrverwickelt und verwirrt. Man hatte drei Rechensysteme imGeldwesen; die Staatskassen rechneten nach Milesimas vomEscudo, den Münzen war die Geltung in Centimos vom Escudoaufgeprägt, der Handel und Verkehr rechnete nach Maravedis,Cuartos und Realen weiter. 1)
Die Mannigfaltigkeit der Münzen wurde durch die neuenTypen wieder beträchtlich vermehrt. Ein Einzug alter Geldstückefand kaum statt, nur alte Kupfermünzen wurden durch stillenEinzug etwas vermindert, hatten aber noch Jahrzehnte lang eineweite Verbreitung.
Das neue Münzgesetz rief in dem Geldsystem Spaniensdie bedeutende Änderung hervor, daß es die recht zweckmäßigenSilberscheidemünzen schuf, gegen welche die Metallisten Spaniensjedoch laut ihre Stimme erhoben. Sie sprachen vom falschenneuen Silbergelde und wiesen auf die Regierungen des Mittel-alters hin, die so oft die Münzen verschlechtert hätten. Siesahen nicht ein, daß man allein durch die kluge Wahl unter-wertigen Silbergeldes dieses im Lande halten konnte.
Eine bedeutende Ausfuhr von Duros und Escudos, diebares Geld blieben, fand auch noch weiter, namentlich im Jahre1864, statt. Hierin zeigte sich, daß man wohl am besten getan.hätte, sämtliches Silbergeld zur notalen Scheidemünze zu machen.Denn was frommte den großen Silberstücken die Barverfassung,wenn sie wegen hoher Silberpreise kaum geprägt wurden undwenn die wirklich geprägten Stücke nach dem Plattenwerte ver-kauft wurden?
Notale Silber- und Kupfermünzen gewannen jetzt einengroßen Umfang in der Zirkulation des Landes. Die Regierungstellte an Silbermünzen in der Zeit von 1864-1868 fast nur
1) Joaquin María Sanromá, La cuestion monetaria en España, S. 13.