§ 12. DAS SINKEN DES PESETAKURSES.
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hatte sie den Zolltarif im freihändlerischen Sinne revidiert unddie bisher bestehenden Schutzzölle fallen lassen und nur Fiskal-zölle beibehalten. Eine eigene nationale Industrie konnte sichso nicht entwickeln und kam erst im zwanzigsten Jahrhundertnach Änderung der Zollpolitik zur größeren Entfaltung.
Das Land blieb bis zur Jahrhundertwende vorwiegendagrarisch und führte ländliche Produkte wie Wein, Früchte undÖl aus, dagegen vornehmlich Industrieprodukte ein. Der Waren-importüberschuß war, da stets im Lande ein großer Luxus beiden wohlhabenderen Klassen herrschte und fremde Fabrikateganz vorwiegend importiert wurden, gewaltig und betrug inder Zeit von 1868-1881 1341 Millionen Pesetas .
Doch aus der ständigen Kapitalienübertragung, besondersaus Frankreich , die den Passivsaldo der Handelsbilanz bedeutendüberwog, ergab sich bis zum Jahre 1882, daß spanisches Geldim Vergleich zum französischen Gelde meist mehr gesucht war.Dies mußte sich im intervalutarischen Kurse äußern.
Im Jahre 1876 hatte man, wie wir gesehen haben, durchdie Wahl der hylogenischen Norm des französischen Geldes fürspanische Alphonsdors ein Münzpari zwischen der Goldpesetaund dem Goldfranken geschaffen. Theoretisch bestand nun biszum Jahre 1878 kein Wechselpari für Spanien und Frankreich ,da in Spanien Goldgeld und in Frankreich die uneinlöslicheBanknote valutarisch war. Praktisch war aber bei der aufrechterhaltenen freien Goldprägung Frankreichs die in Spanien jeder-zeit erhältliche Goldpeseta in französisches Goldgeld zu ver-wandeln, und man stellte nach herkömmlicher Weise die Gleich-wertigkeit des Franken und der Peseta als Forderung auf.
Kleine und kurz dauernde Schwankungen im Wechselkursegegen Frankreich konnten bei Goldwährung in Spanien durchGoldsendungen reguliert werden. Stieg der Frankenkurs inMadrid bis 1/200 über den Paristand, ¹) so lohnte es sich mehr,Goldgeld nach Frankreich zu senden und in Goldfranken um-
1) Der Bankdirektor der Bank von Spanien Jiménez y Rodriguezgibt die Goldpunkte Spaniens Frankreich gegenüber auf 1/2% über resp.unter dem Paristande an, Crisis monetaria, S. 166.