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IV. DIE INTERVALUTARISCHEN BEZIEHUNGEN DER PESETA SEIT 1883.
Mitgewirkt auf den Verkauf spanischer Papiere in Frank-reich hat entschieden auch der Umstand, daß die Zinsen derneuen amortisablen spanischen Anleihen nicht mehr in aus-ländischer Valuta zahlbar waren; auf die Aufrechterhaltung derGoldwährung in Spanien und eine fernere Festigkeit des Peseten-kurses vertraute man aber in Frankreich angesichts des Schwindensder Goldreserven in der Bank von Spanien nicht mehr.
Infolge der andauernden Goldsendungen nach Frankreich machte sich nun bei der Bank von Spanien starke Einlösungvon Banknoten und eine ständige Verringerung des Barbestandesbemerkbar. Jetzt wären starke exodromische Maßregeln nötiggewesen, um den seit dem November 1881 sich stets über demoberen Goldpunkt bewegenden Frankenkurs zum Paristandezurückzuführen. Jedoch die Bank von Spanien ließ ihren Diskont-satz bis zum Februar 1882 unverrückt auf 4% stehen, steigerteihn nur zwei Monate auf 5%, um ihn dann dauernd auf41/200 ruhen zu lassen. Diese geringen Diskontveränderungengenügten aber nicht, um Kapital aus dem Auslande herbeizu-ziehen. Da aber die französischen Verkäufe spanischer Papierenicht nachließen und die Noteneinlösung gegen Goldgeld sichbei der Bank von Spanien steigerte, gab die Bank im Sommer 1883 die Goldzahlungen vollständig auf.
Der Wechselkurs wurde nunmehr völlig sich selbst über-lassen. Eine obere Grenze für den Frankenkurs war hinfort nurim Metallgehalte der Silberpeseta gegeben. Keineswegs brauchtesich aber nach dem Übergang Spaniens zur Silberwährung derWechselkurs deshalb ungünstiger für Spanien zu gestalten, weil dasvalutarische Geld den Valuten anderer Länder mit Goldwährunggegenüber ,, entwertet" war, wie die herrschende Meinung war.
Wenn sich jetzt ständig ein Frankenagio zeigte, so lagdies an den pantopolischen Verhältnissen, die nach dem Auf-hören französischen Kapitalzuflusses einen konträren Lauf spa-nischen Geldes nach Frankreich notwendig machten. Zinsen desStaates mußten nach Frankreich gezahlt werden und wurden.nicht mehr mit neuen Anleihen gedeckt, Eisenbahn- und In-dustriegesellschaften mußten ebenfalls große Summen Geldes