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Das Geldwesen Spaniens seit dem Jahre 1772 / Fritz Rühe
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§ 12. DAS SINKEN DES PESETAKURSES.

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nach Frankreich zahlen, und neue Kapitalien kamen nicht insLand. Denn niemand legte Gelder in dem Lande mit der nunschwankenden Valuta an; war man doch nicht sicher, es ohneVerlust am Wechselkurse wieder zurück zu erhalten.

Die Goldsendungen von Spanien nach Frankreich wurden.jetzt chronisch. Wechsler und Bankiers kauften alles Goldgeld,welches ihnen angeboten wurde, mit einer geringeren Prämie, ¹)als der Frank zeigte, sandten es unmittelbar über die französischeGrenze und zogen auf die dort geschaffenen Guthaben Wechsel,welche sie teuer verkauften.

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Damals zeigte sich deutlich noch der Unterschied zwischendem innern Agio der Goldpeseta und dem äußern Agio des Gold-franken. Man hat zwar in Spanien allgemein das Agio desFranken Goldagio genannt, was aber wenigstens für die da-malige Zeit wohl dem Mangel an begrifflicher Unterscheidungentspricht. Denn spanische Goldstücke hatten ein inneres Agiowegen gewinnbringender metalloplatischer Verwendung, währenddas Agio des valutarischen Geldes Frankreichs pantopolischenVerhältnissen entsprach; der Preis für Goldpeseten und Frankenwar aber nicht vollständig gleich.

Erst mit dem Jahre 18912) trat eine Annahme spanischerGoldstücke an französischen Staatskassen ein. Von dieser Zeitan konnte man wohl das Frankenagio mit Goldagio bezeichnen.Wenn wir uns der Kürze halber des einfachen Wortes Agio"bedienen, so weisen wir darauf hin, daß wir darunter das Agio des französischen Franken gegenüber der Silberpeseta verstehen.

Ebenso wie spanische Goldmünzen bekamen nach Aufgabeder Goldwährung die synchartal behandelten, vielfach in Spanienzirkulierenden, französischen Silber- Napoleons ein Agio. Diesesschmiegte sich genau dem Frankenkurse an, denn Silber- Napoleonskonnten unmittelbar zu Zahlungen nach Frankreich verwendet.werden.

Man hätte nun meinen sollen, die ständigen Exporte vonGoldgeld und Silber- Napoleons hätten den Pesetakurs wieder1) Jiménez, La crisis monetaria, S. 166.

2) cf.§ 11 S. 193.