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Das Geldwesen Spaniens seit dem Jahre 1772 / Fritz Rühe
Entstehung
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208 IV. DIE INTERVALUTARISCHEN BEZIEHUNGEN DER PESETA SEIT 1883.

und den ganz besonderen Umständen des Jahres 1898 stetslieber genommen wurden, als das schwere Silbergeld. Währungs-politisch und im Verhältnis zu den Valuten des Auslandes bildendie spanischen Banknoten keine vom valutarischen Silbergeldeunterschiedenen Zahlungsmittel; in dem äußeren Agio des Frankengegenüber der Silberpeseta kommt einfach das Agio auch gegen-über der Banknote zum Ausdruck.

Die Notenemission der Jahre 1882-1891 war größtenteilsaus den Erfordernissen des Staates hervorgegangen, der bei derBank Schatzanweisungen und andere Staatspapiere dafür hinter-legte. Der Staat mußte, da sein Interesse, seine Selbsterhaltunges erforderte, notales Banknotengeld schaffen und dem Verkehrzur Verfügung stellen. Die pantopolischen Verhältnisse, die Liqui-dation der internationalen Zahlungsbilanz hatten Goldgeld ausdem Lande gezogen; die Regulierung der Zahlungsbilanz konnteaber der mit höchsten finanziellen Schwierigkeiten kämpfendeStaat nicht beeinflussen.

Es wurden nicht, wie die Anhänger des GreshamschenGesetzes behaupteten, 1) die ,, guten" Goldstücke durch ,, schlechtes"Silber- und Banknotengeld vertrieben; vielmehr war es die Not,welche den Staat zwang, nur noch in notalem Gelde zu zahlen,

¹) Der ,, französische Ökonomist" schrieb im Juli 1894: ,, Die Ent-wertung des spanischen Geldes war ausschließlich eine Folge davon, daßauf Grund wiederholter Vorschüsse an den Staat durch die Bank dieumlaufenden Noten übermäßig vermehrt wurden, denn mit dem Eintrittdieser in die Zirkulation wurden kraft des Greshamschen Gesetzes dieGoldmünzen aus Spanien vertrieben." Die spanischen Zeitungen brachtendiese Artikel und fast alle spanischen Ökonomisten erkannten diese Gründean. Die Anhänger der klassischen Ideen gaben jedoch weder Ziffern nochZeitpunkte an. Wie wir aber gezeigt haben, machten die wirtschaftlichenund finanziellen Verhältnisse seit dem Jahre 1882 einen Goldexport not-wendig, Goldgeld zog aus Spanien seit Ende 1882, als die Notenzirkulationerst 200 Millionen Pesetas betrug, also noch sehr gering war. Wohl gebenwir zu, daß die Not des Staatsschatzes die unmittelbare Ursache der Noten-emission war, aber der Staat erfüllte, wohl unbewußt, damit eine Rolle,welche durchaus notwendig war. Das abgeflossene Geld mußte ersetztwerden, denn jedes Land braucht eine bestimmte Menge Zahlungsmittel,die um so größer ist, je weniger die Krediteinrichtungen ausgebildet sind.