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Das Geldwesen Spaniens seit dem Jahre 1772 / Fritz Rühe
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226 IV. DIE INTERVALUTARISCHEN BEZIEHUNGEN DER PESETA SEIT 1883.

in der Bank eingeschlossen war, kam es für ihn auf die Gold-deckung nicht an, denn tatsächlich wurde doch Gold dem Verkehrnicht dienstbar gemacht, und bei der Erklärung des inter-valutarischen Kurses kann man sich nur an die realen Ver-hältnisse halten. Bei wachsender Golddeckung hätte nach jenerMeinung sich ständig der Kurs der Peseta heben müssen, aberauch damit standen die Tatsachen im Widerspruch.¹)eib Vielmehr konnte sich nach der Aufhebung der Silber-freiprägung die Peseta über ihrem Metallwert behaupten, weildie tausendfachen merkantilen und finanziellen Transaktioneneine höhere lytrische als platische Bewertung spanischen Geldesim Auslande herausbildeten.

Wiewohl sich im Jahre 1898 die Geldzirkulation Spaniensimmer mehr notalisierte, der Silberumlauf und die Noten-zirkulation stieg, ging seit dem Mai des Jahres das Frankenagiobei den sich bessernden wirtschaftlichen Verhältnissen ständigzurück. Ein neues Bankgesetz, wonach während der schlimmstenFinanznot der Staat die Bank zur Ausdehnung der Notenemissionzwecks weiterer Vorschüsse an die Regierung ermächtigte, hattenicht den von den Quantitätstheoretikern gefürchteten Erfolg, denValutakurs ungünstig zu beeinflussen. Durch Dekret vom 9. August18982) hatte der Staat, der weder äußere Anleihen kontrahierennoch auf andere Weise Geld aufbringen konnte, jedoch weitereMittel zur Kriegführung mit den Vereinigten Staaten brauchte, dieBank ermächtigt, ihre Notenemission über die bisherige Grenzevon 1500 Millionen Pesetas auszudehnen. Das Maximum der

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aid 1) Häufig stand sowohl vor dem amerikanischen Kriege wie nachihm bei größerer Golddeckung der spanischen Banknote das Frankenagiohöher.Bei genauerem Studium der Deckungsverhältnisse der Noten-emissionsbanken muß man zu dem Schluß kommen, daß die beiden Fak-toren, Notendeckung und intervalutarischer Kurs, nicht immer innig mit ein-ander verknüpft sind, wie man irrtümlich in Spanien damals fast all-gemein annahm. Die größere oder geringere Golddeckung der Banknotehat nicht absoluten Einfluß auf den intervalutarischen Kurs, und Ver-mehrung des Goldstockes allein bessert den intervalutarischen Kurs nicht.wie uns Spaniens Währung beweist.

2) Leyes organicas del Banco de España, Madrid 1907, Seite 31,