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Das Geldwesen Spaniens seit dem Jahre 1772 / Fritz Rühe
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262 IV. DIE INTERVALUTARISCHEN BEZIEHUNGEN DER PESETA SEIT 1883.

menge nicht besserte und nun fremde Kapitalien ausblieben,war das Land allein wieder auf seinen Export angewiesen. So.war auch von dem zweiten Teil dieses Gesetzesvorschlagsnicht viel für eine dauernde Besserung der Valuta zu erhoffen.

Günstigere Wirkungen waren wohl von denjenigen Vor-schlägen Villaverdes zu erwarten, die auf eine Hebung derhandelspolitischen Stellung des Landes hinausliefen. Die Re-gierung sollte nach seinem Projekt auch neue Handelsverträgeund kommerzielle Regelungen mit dem Auslande bei den Cortesbeantragen, um die Handelsbeziehungen Spaniens auszudehnenund die Produktion und den Export des Landes zu entfalten.

Mit Recht war wohl ein Agiofall aus der Hebung derHandelsbeziehungen zum Auslande zu erwarten. Aber vorteil-hafter für die gesamte Volkswirtschaft war wohl mehr eine.Stabilisierung des Kurses als eine schnelle, schrittweise Re-duzierung des Agios.

Wie aus dem Reformprojekt hervorging, hoffte man nachAbzahlung der Kolonialschulden in 4 Jahren zur Goldwährungzu gelangen bei einem damaligen Agio von ca. 35%. EineStabilisierung des Wechselkurses stand jedoch mit einem soschnellen Senken nicht recht in Einklang.

Welch kapitale Bedeutung für das ganze Leben der Nationaber die Währungsfrage hatte, zeigte sich in der noch nie in Spanien vorgekommenen Erscheinung, daß ein Ministerpräsidentunter eigenem Namen, nicht ressortmäßig das Finanzministerium,Währungsprojekte vor die Cortes brachte.

Villaverdes Entwurf fand im Auslande allgemeine Aner-kennung, da man in ihm einen ersten energischen Versuch in Spanien, zu einer Heilung der Valuta und zur spätern Gold-währung zu kommen, sah. Man kam zur Erkenntnis, daß manin Spanien den Wechselkurs nicht mehr anarchisch, wie es seit20 Jahren stets der Fall war, sich bilden lassen wolle.

Infolge der dadurch hervorgerufenen günstigeren Stimmungfür spanisches Geld sank das Frankenagio vom Tage des Be-kanntwerdens der Projekte in zwei Monaten über 4%.

Jedoch besserte sich der intervalutarische Kurs nur vor-