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mit Erzberger in Verbindung und ermuntert ihn zuseinem Iulivorstoß.
6. Am 6. Juli 1917 überfällt Herr Erzberger im Haupt-ausschuß den Reichskanzler — er mag es leugnen so viel er will—, ja seine eigene Fraktion mit dem alsbald von der Sozial-demokratie aufgenommenen und zu einer großen Aktion ge-stempelten Antrag, ein Friedensvronunziamentodes Reichstags herbeizuführen. Größte Sensation im In-land und Ausland. Allgemeiner Eindruck, daß Deutschland nichtmehr kämpfen will und kann, daß es am Zusammenbrechen ist!
7. Wirkung auf das Ausland: Ertöt ung der geradedamals heranreifenden Neigung der West-m ächte zu Friedensverhandlungen. DieseNeigung bestand. Auf die sehr hochmütige Aufnahme,die noch im April Prinz Parma mit seinem Kaiserbrief fand —übrigens damals schon gegen ernstliche Bedenken von LloydGeorge — folgte eine Reaktion. Der französischeMinisterpräsident äußerte zu dem italieni-schen Botschafter in Paris, daß Frankreich der Erschöpfung entgegengehe: Lloyd George kam nach Paris und sprach seine größteSorgeüber die Zuspitzung der englischen Ernäh-rung slage aus. Von französischer Seitewurde eine neue Anknüpfung nicht nur zuÖsterreich-Ungarn gesucht, sondern auch wegeneiner Aussprache mit einem bekannten deut-schen Diplomaten sondiert. Herr Erzberger wirdfür das alles die Belege in den Akten des Auswärtigen Amtesfinden. Wie Graf Wedel berichtet, waren Lloyd George und Ribot drauf und dran, nach Rom zu reisen, umüber Friedensschritte zu sprechen. Da kam dieErzberger sche Bombe im Hauptausschuß. Und es kammehr. Es kam die verbrecherische Indiskretion,mit der Herr Erzberger am 22. Juli vor dem Reichsaus -schuß der Zentrumspartei , also im größeren Kreis,zu seiner persönlichen Verteidigung den zurZermürbung der Widerstandskraft des deutschen Kaisers gegeneinen Abtretungsfrieden geschriebenen Czerninschen Ge-heimbericht preisgab. Der Bericht hat seinen Wegnach Paris gefunden, ist doA, im Zusammenhange mit der