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Festschrift zum fünfhundertjährigen Geburtstage von Johann Gutenberg / im Auftr. d. Stadt Mainz hrsg. von Otto Hartwig
Entstehung
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ZUR EINFÜHRUNG.

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nommen hat, wiffen wir nicht. Jedenfalls verließ Frau Elfe zum Gutenberg ihre Heimathnicht dauernd mit ihrem Manne. Hatten doch die Frauen der aus den mittelalterlichenStädten Deutfchlands und Italiens freiwillig Ausgewanderten oder Vertriebenen die In-tereffen der Familie zu Haufe zu wahren. Audi behielten fie ihre Kinder, wenn fie nochnicht erwachfen waren, fämmtlich oder wenigßens theilweife bei fich zurück. In dieferihrer Eigenfchaft als Haupt der Familie verkaufte Frau Elfe 1425 ein Haus und einenGarten zu Mainz . Sie ift im Jahre 1433 fchon todt.

Ueber den Verbleib ihrer beiden Söhne in den zwei erßen Jahrzehnten des 15. Jahr-hunderts find wir ungenügend unterrichtet. Der ältere, Friele, gehörte, wie oben ange-geben, 1421 zu den Hausgenoffen in Mainz. Dann tritt er in einer Straßburger Urkunde1429 auf, in der er diefer Stadt bezeugte, von ihr 26 Gulden Leibrente ausgezahlt erhaltenzu haben, welche theilweife auch noch fpäter 144852 an die Erben, vielleicht weil rück-ßändig, bezahlt worden find. Er wird wohl nie in Straßburg gelebt, überhaupt die Hei-math nie verlaffen haben. Denn in der Rachtung (Sühnevertrag) vom 28. März 1430,die der Erzbißhof Konrad III zwißhen den ßädtißhen Parteien zu Stande brachte, wirdfein Name nicht genannt, während mehrere Gefchlechtsgenoffen, von denen dem einendie Rückkehr geßattet, dem anderen aber ausdrücklich verfagtwird, und fein BruderJohann namentlich angeführt find. Er war 1430 alfo fchon in der Heimath, in der wirihn bis zu feinem Tode, und zwar in Eltville wohnend finden. Er war verheirathet mitElfe Hirz und hatte zwei Kinder, Ort und Odilge, die 1448 urkundlich genannt werden,nachdem ihr Vater geßorben war. 7

Noch weniger als von Friele, wiffen wir aus der Jugendzeit feines Bruders Johann.Daß er in der Rachtung von 1430 alsnit inlendig genannt wird, wurde ßhon erwähnt.Wo er fich aber außerhalb feiner Vaterßadt damals aufhielt und wann er fie verlaffen hat,erfahren wir nicht. Wir können nur vermuthen, daß er damals in Straßburg lebte. Es das umfo wahrfcheinlicher, als er und fein Bruder ßhon 1427 Renten von Straßburg bezogen, ßcher in Verbindung mit Straßburg waren, vielleicht alfo ältere Familienbe-ziehungen mit der Hauptßadt des Elfaffes beftanden.

Da er in der Rachtung ausdrücklich erwähnt wird, fo müffen wir doch annehmen, daßer feine Heimath aus politifchen Gründen verlaffen hatte.

Das ift Alles, was wir über die 30 bis 40 erßen Lebensjahre Johann Gutenbergs wissen.Ueber die Dürftigkeit diefer Nachrichten fich zu verwundern, aber nicht angebracht.Wiffen wir doch über die Jugendzeit anderer großer und größter Männer, die lange Zeitnach Gutenberg lebten, auch verzweifelt wenig. So find uns über die erßen vierzigLebensjahre eines der größten künftlerißhen und technifchen Genies aller Zeiten, Leo-nardos da Vinci, nur einzelne fpärliche Nachrichten überkommen. Und was wiffen wirüber die Jugend und den Bildungsgang William Shakefpeares?

D ie erfte ßchere Nachricht, welche wir über den Aufenthalt Gutenbergs in Straßburg beß^en, datirt vom 14. März 1434. 8 Seine Vaterßadt Mainz war in der Auszahlungihm jährlich zuftehender Zinfen rückßändig geblieben. Um fich für diefevilvergeffenenzinßen ßhadlos zu halten, ergriff eraus barlicher notdurfft, d. h. aus offenbarer Noth,zur Vertheidigung feiner Rechte, 9 den in Straßburg anwefenden Stadtßhreiber Nicolausvon Mainz. Diefer mußte ihm nun geloben, bis zu Pfingßen 1434 an Gutenbergs Vetter