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Festschrift zum fünfhundertjährigen Geburtstage von Johann Gutenberg / im Auftr. d. Stadt Mainz hrsg. von Otto Hartwig
Entstehung
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ZUR EINFÜHRUNG.

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aufgenommen worden find. Das verbindende Element zwifchen der Buchbinderei undder Goldfchmiedekunft waren die Verzierungen, welche an den befferen Einbänden derHandfchriften und Bücher angebracht wurden. Waren diefe im 15. Jahrhundert nichtmehr fo luxuriös wie früher und nicht mehr fo häufig mit eingelegten Halbedelsteinenverziert, fo waren doch immer noch in der Regel Metallfchließen und -buckel an ihnenangebracht. Zu den Buchbindern zählten, fpäter wenigftens, auch die Spiegelmacher,z. B. in Nürnberg , weil es bei der Fabrikation der kleinen Handfpiegel auf deren verzierteKäfkhen und Futterale fehr ftarkankam. Da fich Andreas Dritjehn felbft einen Spiegelmachernennt, auch in feinem Nachlaffe zahlreiche Edelfteine, die geftohlen wurden, fowie eineAnzahl großer und kleiner Bücher gefunden haben, fo dürfen wir wohl als gefichert an-nehmen, daß Andreas Dritjehn ein Mann war, der fleh mit der Herflellung von verziertenBüchern, Käftchen u. f. w. und den dazu erforderlichen Materialien befaßte. Hierbeihatte ihn Gutenberg unterftütjt, der das Poliren und Schleifen der Steine wahrfcheinlichfchon in Mainz gelernt hatte, wo die noch jetjt an der Nahe blühende Induflrie bereitsdamals wohl nicht unbekannt war. War er, dem eine Wahl unter die Zahl der Mainzer Hausgenoffen durch feine Herkunft winkte, vielleicht von Jugend auf bei einem Gold-fchmied in die Lehre gegangen, fo begreift fich feine frühe Verbindung mit Andreas Dritjehnebenfo einfach, wie fein 1444 vollzogener Eintritt in die Goldfchmiedezunft in Straßburg .Sein Gefchäftsgenoffe Andreas Heilmann, der ihr damals gleichzeitig beitrat, war übrigensmit einem feiner Brüder auch Befitjer einer Papiermühle. Da von Gutenberg dieInitiative zu der Fabrikation der Spiegel für die Aachener Heiligthumsfahrt ausgegangenwar, fo verräth das offenbar eine gewiffe Weite und Umficht in feiner gefchäftlichenThätigkeit. War doch gerade bei diefen Heiligthumsfahrten der Umfatj in Spiegeln einbedeutender, wie aus den für die Aachener Spiegelmacher am 15. Januar 1493 vomRathe diefer Stadt erlaffenen Statuten und den darin angefetjten Zollfätjen für Händlermit Spiegeln fich ergibt. Nur die Herftellung der mit goldenem und filbernem Schmuckausgeftatteten Spiegel wurde damals den Aachener Goldfehmieden refervirt.

Weniger deutlich und beftimmt erkennbar als diefe Thätigkeit Gutenbergs ift die ge-heime Kunftübung, die er in Straßburg betrieb und bis zum Abfchluffe des neuen Ver-trags mit feinen Gefchäftsfreunden vor diefen geheim gehalten hatte. Wir find über fieauf unbeftimmte und mehrdeutige Ausdrücke in den Prozeßakten angewiefen. Doch kannkaum ein Zweifel darüber beftehen, daß es fich bei ihr um eine, wenn auch noch unvoll-kommene, Methode der mechanifchen Vervielfältigung von Schriftftücken gehandelt hat.Denn es ift in ihnen vomtrucken die Rede, bei dem ein Zeuge, ein Goldfehmied, feitungefähr drei Jahren an hundert Gulden verdient hatte. Ferner von einer Preffe, die derDrechsler Conrad Saspach gemacht hatte, und die jedenfalls keine gewöhnliche Buchbinder-preffe war, da Gutenberg wenigftens einen Theil feines Geheimniffes in ihr befchloffenglaubte und nach dem Tode von Andreas Dritjehn das Auseinandernehmen derfelbeneifrig verlangte. Noch dunkler find die Ausdrücke für einen Theil des Inventars derGefellfchaft, das als allerleiDing gemäht und ungemaht, formen und allem gezügk be-zeichnet wird. Auch von eingefchmolzenen Formen ift die Rede. Da nun der AusdruckFormen (formae) in den Schlußfchriften der älteften Drucke nichts anders als Typen,Lettern, d. h. aus Metall hergeftellte Einzelbuchftaben bedeuten kann und von Druckenund Preffen die Rede ift, fo fcheint der Schluß unausweichlich, daß fich Gutenberg fchon