12
OTTO HARTWIG
um 1438 in Stragburg mit der Hergellung aller zur Buchdruckerei in erfter Linie erforder-lichen Inftrumente beghäftigt habe. Und doch mügfen wir hier forgfältig unterfcheiden.
Es ift unzweifelhaft, dag (ich Gutenberg fchon feit fpäteftens 1436 mit dem Gedankengetragen hat, zu drucken, d. h. Vervielfältigungen von Figuren, befonders von Buchftabenauf mechanifchem Wege zu machen, und fich zu diefer „neuen Kunft“ allerlei Inftrumenteausgedacht und hergeftellt hatte. Dagegen ift fchlechterdings nicht zu erweifen, dag er fchonin Stragburg Druckverfuche im fpäteren Sinne der Buchdruckereipraxis mit gegoffenenMetalllettern von abfolut gleichem Kegel (d. h. gleicher Dicke der Metallftäbchen, in derRichtung des Buchftabenbildes von oben nach unten gemeffen) und gleicher Höhe derTypen gemacht habe, von der ganz unftatthaften Behauptung abgefehen, dag uns noch Reftefolcher Druckverfuche erhalten feien. Das erfte in unferem Sinne gedruckte Buch ift erftum 1450, wahrgheinlich erft nach 1450, in Mainz entftanden und diefe Stadt daher als dieWiegenftätte des Buchdrucks anzufehen, der in Stragburg nur infoweit vorbereitet wurde,als es dort Gutenberg gelang, Stempel mit Buchftaben zu ftechen und mit diefen durch einevon ihm ausgedachte Preffe einzelne Worte, vielleicht auch kurze Sätje abzudrucken. Esift nach obigem gar nicht unwahrgheinlich, dag fich diefe Abdrücke oder, richtiger gefagt,Eindrücke nur ebenfo auf Buchbinderbänden befanden, wie auf denen, über die uns HerrProfeffor Falk unten Mittheilungen macht. Immerhin find es Druckverfuche, die denraftlofen Geift Gutenbergs zu weiteren Verfudien angefeuert haben werden.
Für diefe Vorbereitungszeit fcheint das Jahr 1444 in verfchiedener Beziehung vonBedeutung gewefen zu fein. Nachdem 1443 der von Gutenberg mit feinen Genoffenauf fünf Jahre abgefchloffene Vertrag abgelaufen war, hat er wohl im folgenden JahreStragburg verlaffen. Er ift am 12. März 1444 zuletzt dort nachweisbar. In demfelbenJahre verzichtete auch der Verfertiger feiner Preffe, der Drechsler C. Saspach, auf feinBürgerrecht dafelbft, um es 1451 wieder erneuern zu laffen.
Beftandtheile diefer Preffe wurden damals in dem Haufe Andreas Dritjehns, wonoch andere Diebereien nach deffen Tode begangen wurden, geftohlen. Dag bei demErfinder des Buchdrucks in Stragburg das Geheimnig durch einen untreuen Dienerverrathen worden fei, lief als ein im perfönlichen Intereffe des Stragburger DruckersJ. Mentelin entftelltes Gerücht fpäter in Stragburg noch um. Nimmt man nun noch hinzu,dag 1444 an einem ganz anderen Orte Verfuche zu Drucken gemacht wurden, die unsdie Kung auf der Stufe der Entwicklung zeigen, wie wir fie uns in Stragburg von 1438bis 1443 nach den Akten des Prozeffes etwa vorzugellen haben, fo liegt die Annahmenahe, dag Gutenberg , der geh 1444 feines Geheimniffes vollends beraubt fah, darumStragburg verlieg; dag auf feinen Entfchlug die Bedrohung der Stadt durch die Armag-naken von Einflug gewefen fein kann, lägt geh nicht bezweifeln; dag ge es gewefen ift,aber nur behaupten und nicht erweifen.
Wie dem nun auch fein mag, jedenfalls finden wir, dag die Verfuche, die der Silber-ghmied Prokopius Waldvogel, welcher einer deutfehen aus Prag vertriebenen Meffer-fchmiedfamilie entftammte, 11 im Jahre 1444 in Avignon machte, mit den von Gutenbergin Stragburg unternommenen geh nahe berührt haben. Prokop Waldvogel verfprichtin uns erhaltenen Urkunden verfchiedenen Perfonen „die Kunft künftlich zu (chreiben“— ars artificialiter feribendi — zu lehren und zeigt geh im Begtje von den dazu nöthigenWerkzeugen aus Metall, welche „ingrumenta gve artificia tarn ferro de calibe, de cupro,