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Festschrift zum fünfhundertjährigen Geburtstage von Johann Gutenberg / im Auftr. d. Stadt Mainz hrsg. von Otto Hartwig
Entstehung
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ZUR EINFÜHRUNG.

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de lethono, de piombo , de ftagno, de fufte genannt werden. Ferner werden zwei Alpha-bete (abecedaria) aus Stahl, zwei eiferne und achtundvierzig zinnerne Buchßaben (formaeund literae formatae) angeführt. Da die Männer, mit denen Waldvogel in Gejchäftsver-bindung treten wollte, die Geheimhaltung feiner Kunß in beßimmten Grenzen verfprechenmußten, fo finden wir in den uns über diefe Gefchäftsverträge erhaltenen Urkundeneben fo wenig genaue Beitreibungen über die mit diefem Apparate auszuübende neueKunft, als in den Straßburger Akten. Da jedoch in beiden diefelben Ausdrücke wieder-kehren und die Werkzeuge offenbar in Avignon zu denfelben oder ähnlichen Zweckenverwendet werden follten wie in Straßburg , fo scheint 12 bei der Gleichzeitigkeit des Auf-tretens hier wie dort ein innerer Zufammenhang zwifchen beiden Vorkommniffen zubegehen. Und diefer Schluß ift wohl um fo berechtigter, als Waldvogel fich in den Ur-kunden in keiner Weife als Erfinder diefer neuen Kunft ausgibt. Er war vielleicht kurzzuvor in Straßburg zu ihrer Kenntniß direkt oder indirekt auf unrechtmäßige Weife ge-kommen und wußte mit ihr auch nichts Rechtes anzufangen. Es ift wenigftens keine Spurvon ihr übrig geblieben.

A ls Gutenberg auf die Idee gekommen war, Schriftwerke auf mechanifche Weife zu- vervielfältigen, mußte ihm gleichzeitig hiermit klar geworden fein, daß es nur durchein Abdruckverfahren möglich fei . 13 Hatte man doch fchon längft auf gewebte StoffeFiguren gedruckt und waren dann feit viel neuerer Zeit Spielkarten, Briefe und Initialenin Handjchriften durch Metallfchnitte hergeftellt worden. Da die Familie Gutenbergs mit der Münzftätte zu Mainz in enger Verbindung ftand, werden ihm die Manipulationenbei der Münzprägung, die Herftellung von Stempeln, Münzprägeftöcken und das Gra-viren in Metall vielleicht von früher Jugend an nickt fremd geblieben fein. Daß er fichzu den Goldfehmieden rechnete, wenigftens fpäter, wiffen wir gleichfalls. Ebenfo ift eskaum zweifelhaft, daß die erften Kupferftecher Goldfehmiede waren und daß das Nielliren,d. h. das Ausfüllen von Zeichnungen, die befonders in Silber oder Gold eingegrabenwaren, mit der fog. (fchwarzen) Niellomaffe zur Erfindung des Kupferftichs geführt hat.In Mainz gab es aber viele Goldfehmiede, und es find (nach W. L. Schreiber) fehr alteMetallfchnitte von dort bekannt.

Wenn nun Gutenberg eine Handfchrift vor Augen hatte und darüber nachfann, wie eram leichteften die vorliegende Seite vervielfältigen könne, fo mußte ihm wohl als daseinfachfte Verfahren vor die Seele treten, diefe Seite in Metall zu graviren und von derPlatte abzudrucken, fei es daß auf diefe Weife die eingefchnittenen Buchftaben weißheraus kamen oder nach der Niellomanier fchwarz. Das war aber ein äußerft umftänd-liches, theueres Verfahren, durch welches das zu vervielfältigende Werk, daskünftlichgefchrieben werden follte, nicht viel billiger wurde. Da die Buchftaben der zu repro-ducirenden Handfchriften in der Regel recht gleichmäßig gefchrieben waren, lag für einenMann, der mit gefchnittenen Stempeln umzugehen verftand, der Gedanke nahe, denText der zu vervielfältigenden Platte auf eine mehr mechanifche Weife, die zugleich dieGewähr für eine größere Gleichmäßigkeit der einzelnen Buchftaben bot, zu behandeln.Das konnte durch das Einfchlagen von harten Stempeln, auf deren Köpfen die Buch-ßaben herausgearbeitet waren, in eine Platte von weicherem Metall, etwa von Blei oderKupfer, gefchehen. Der Abdruck der fo eingeprägten Buchftaben wurde aber kein ganz