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Festschrift zum fünfhundertjährigen Geburtstage von Johann Gutenberg / im Auftr. d. Stadt Mainz hrsg. von Otto Hartwig
Entstehung
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ZUR EINFÜHRUNG.

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die Matrize in ihrem Grund hatte und einen vollständig gleichen Kegel für die einzelnenLettern (formae) lieferte. Diese Methode, gegorene Lettern für den Abdruck von Schrift-werken herzuftellen, und deren Abdrude in muftergültiger Weife durch eine wahrfchein-lich auch von ihm erfonnene Buchdruckerpreffe, in der die abzudruckenden Lettern dieUnterlage bildeten, bewirkt zu haben, darin begeht das unterbliebe Verdient JohannGutenbergs , das ift fein Ruhmestitel. Wir haben keine Vorftellung von der von ihm er-fundenen Gießform. Kein Gießwerkzeug von ihm ift uns erhalten, auch keine derLettern, mit denen er gedruckt hat. Daß aber diefe den jetjt noch gebräuchlichen nicktallzu unähnlich gewefen fein können, beweifen uns die unabfichtlichen Abdrücke vonfehr dünnen Lettern in drei uns erhaltenen alten Incunabeln, welche bei dem Abdruckdes Satjes einer Seite aus diefem herausgefallen waren und ßch nun auf diefer mitten imTexte abgedruckt finden. Wie die italienijchen Medailleure, die feit ungefähr 1430 diebis dahin geprägten Medaillen in den feinen Formenfand gegojfen und fertig geteilthaben, wiffen wir noch. In Betreff der Großthat unferes Erfinders, der Vollendung feinesganzen Gießapparates, herrfcht Dunkel. Ueber Gutenberg und den Gejchicken feinerVaterßadt Mainz hat überhaupt im dritten Viertel des fünfzehnten Jahrhunderts keingünftiger Stern geleuchtet.

Diefe Darlegung der Erfindungsgefchichte des Buchdrucks wird vielleicht von Manchenals eine Conftruction angefehen werden, der die pofitiven Unterlagen fehlten. Sie dasauch; Aber doch nur in ihrem erften Theile. Die Anfänge der Kunft, die früheften Ver-suche, die Gutenberg in ihr machte, find uns unbekannt. Wir können fie nur unterBerückfchtigung aller vorausgegangenen ähnlichen Verfuche auf verwandten Gebietenahnen und reconftruiren. Und wir müffen uns hier um fo mehr befchränken und vor-fichtig fein, als auch die Anfänge der verwandten Künfte noch nicht ficher feftgeftellt undchronologifch genau beftimmt find und beftimmbar erjeheinen. Die Erfindung des Kupfer-ftichs, die für den Goldßhmied Gutenberg , welcher 1458 fchon am Parifer Königshofeals gefchickter Stempelfchneider bekannt war, allerdings faß allein in Betracht käme, wirdjetjt zwar ziemlich übereinstimmend auf die Zeit um 1440 verlegt und Deutfchland zu-gewiefen. Der Metallguß für Medaillen tritt um 1430 in Italien zuerß auf. Aber habenbeide Erfindungen auf Gutenbergs Ideen Einfluß ausgeübt? Wir wiffen es nicht. Erßmit dem Jahre 1438 beginnen poßtive Nachrichten über die Kunft desDrückens, die,fo unbeftimmt und mehrdeutig fie fein mögen, uns doch einen feften Anhaltspunkt ge-währen. Aber erft feit ungefähr 1450 treten neue poßtive Angaben auf, und von derfelbenZeit an find uns Ueberrefte, großartige Ueberrefte der erften Produkte der neuen Kunfterhalten.

Betrachten wir beides getrennt von einander.

Seit dem Jahre 1448 erfcheint Johann Gutenberg nachweisbar wieder in Mainz . Am6. Oktober diefes Jahres erhält er von feinem Vetter Arnold Gelthus zum Echtzellerhundert und fünfzig Goldgulden geliehen, die er mit acht und einem halben Goldguldenjährlich zu verzinfen verfpricht. Wozu er diefe Summe braucht, wird uns nicht gefagt.Wir können nur mit großer Wahrßheinlichkeit vermuthen, daß fie beßimmt war, feineErfindung praktißh zu verwerthen. Aber mit einem folchen kleinen Betriebskapital warnicht viel anzufangen. Wie viele Stempel mußten gefchnitten werden und wie viel Metallwar zum Guffe der erßen noch fehr großen (Miffal-)Typen erforderlich! Und Papier -